Im Zeitalter der digitalen Fotografie verfällt man leicht dem Glauben, dass es überflüssig ist, Filter einzusetzen. Man kann die Filterfunktion ja hinterher in Photoshop & Co. nachbilden.

Das mag für einige Effekte gelten. Es gibt aber zwei Filter, deren Wirkung man nicht per EBV nachbilden kann: Polarisationsfilter und Graufilter.

In diesem Artikel möchte ich den Einsatz von Graufiltern beschreiben und zeigen, dass es sich durchaus lohnt, diese dabeizuhaben. Graufilter gibt es in zwei Ausführungen:

  • Verlaufsfilter (auch „Graduated“-Filter genannt)
  • Filter mit gleichmäßiger Grautönung

Graufilter

Graufilter reduzieren den Lichteinfall durchs Objektiv, sie machen die Szenerie aus Sicht der Kamera dunkler. Sie heißen auch Neutraldichte-Filter (ND-Filter), weil sie bis auf die Verringerung des Lichteinfalls keine weitere Wirkung auf die Farbstimmung haben. Dies ist allerdings nur bedingt richtig: Viele Filter zeigen einen Farbstich. Dieser wird entweder durch eine nicht optimale Qualität des Filtermaterials erzeugt oder er entsteht als magentafarbene Farbverschiebung, weil durch die längere Verschlusszeit auch mehr infrarotes Licht auf den Sensor fällt.

Die Bezeichnung von ND-Filtern ist allerdings mitunter etwas verwirrend. Man liest von ND0.9, ND3, 1000-fach und so weiter. Die folgende Tabelle gibt den Zusammenhang zwischen Filterstärke, Zeit und Blende wieder:

[su_table]

NDxDurchlässigkeitVerlängerung der Verschlusszeit um den Faktor …Anzahl Blendendstufen
ohne100%1 (keine Änderung)0
ND 0,350%21
ND 0,625%42
ND 0,912,6%83
ND 1,26,3%164
ND 1,81,8%656
ND 3,00,1%100010

[/su_table]

Durch den verringerten Lichteinfall bieten ND-Filter also die Möglichkeit, mit längeren Verschlußzeiten zu arbeiten und so gezielt Bewegungsunschärfe zu erzeugen. Oder man kann trotz sehr heller Umgebung mit weit geöffneter Blende fotografieren und so Motive noch freistellen, wo man ohne Filter hätte abblenden und eine große Schärfentiefe hätte in Kauf nehmen müssen.

Die Bilder unten zeigen den Wirkung eines ND8-Filters:

Ohne Graufilter

Mit ND8-Filter

Ein weiterer interessanter Anwendungsfall für ND-Filter ist das „Verschwindenlassen“ von Menschen in Bildern: In der Landschafts- oder Architekturfotografie an belebten Plätzen stören oft Menschen, die durchs Bild laufen. Hier hilft der ND-Filter: Setzt man ihn ein verlängert sich die Verschlusszeit. Wird diese lang genug, so verwischen sich die Bewegungen im Bild bis zur Unsichtbarkeit. (Danke an den Kommentator Günter Schnell (s.u.) für diesen Tipp).

Verlaufsfilter

Verlaufsfilter kommen üblicherweise in der Landschaftsfotografie zum Einsatz. Wenn der Dynamikumfang, also der Hell-Dunkel-Unterschied im Bild zu groß wird, als dass der Kamerasensor diesen verarbeiten kann, und man nur die Wahl hat, entweder den Himmel über- oder den Vordergrund unterzubelichten, schlägt die Stunde von Verlaufsfiltern. Die Grautönung verläuft bei diesen Filtern nicht gleichmäßig, sondern folgt einem mehr oder weniger steilen Verlauf über die Filterfläche.

Verlaufsfilter gibt es in unterschiedlichen Ausführungen:

  • unterschiedliche starke Grautönungen
  • verschieden harte Verläufe

Gerade bei Verlaufsfiltern sind die rechteckigen Typen, wie sie z.B. von Lee oder Haida angeboten werden den Einschraubtypen vorzuziehen, da man die rechteckigen Filter im Filterhalter verschieben kann, um den Grauverlauf entsprechend des Motivs positionieren zu können. Dies ist mit Einschraubfiltern nicht möglich.

Die beiden Bilder machen die Wirkung eines Verlaufsfilters deutlich:

Ohne Filter

Mit Filter

Man sieht, dass manche Bilder ohne Verlaufsfilter gar nicht möglich wären! Der ausgefressene Himmel im ersten Bild könnte auch durch EBV nicht mehr gerettet werden. Ich hab’s versucht… :-)

Ich selbst setzte viele Jahre lang Filter von Cokin ein. Neuerdings bin ich auf Filter von Haida umgestiegen, da es hier Filter in größerer Abmessung (150x170mm) und einen Filterhalter passend zu meinem Nikon 14-24 gibt. Folgende Artikel kann ich empfehlen:

[su_list icon=“icon: chevron-circle-right“]

[/su_list]

Der Adapter 77mm dient dazu, dem großen Filterhalter an Objektive mit 77mm-Filtergewinde zu adaptieren.