Auf Schatzsuche in der Lightroom-Bibliothek!

Sicherlich hast auch Du einen erprobten Workflow, mit dessen Hilfe Du Deine Bilder von der Kamera importierst, sie sichtest, bewertest und bearbeitest. Durch die Bewertung (z.B. in Lightroom mit den Sternen) ziemlich am Anfang des Workflows und der anschließenden Bearbeitung nur der besten Bilder spart man viel Zeit und kommt so schnell dazu, die wirklich wertvollen Bilder eines Shootings zu extrahieren. So mache ich es auch. Und die „nicht so tollen“ Bilder schlummern dann auf unbestimmte Zeit auf der Festplatte des heimischen Rechners.

Es kann sich aber lohnen, nach einiger Zeit diesen Bodensatz nochmal zu durchforsten. Ich finde dann immer wieder Bilder, bei denen ich mich frage, wieso sie mir nicht bereits früher aufgefallen sind.

 

Am Rodder Maar

Vor ein paar Wochen war ich an einem trüben Sonntagnachmittag auf einen Spaziergang am Rodder Maar. Das Rodder Maar ist ein kleiner, fast kreisrunder See in der Nähe von Niederzissen am Ostrand der Eifel. Das Wetter war trüb, die Vegetation war noch im Winterurlaub und direkt ans Maar kommt man auf Grund der vielen Absperrzäune auch nicht mehr heran.

Trotzdem hatte ich die meine Fuji X-T2 mit dem XF16/1.4 dabei. Man weiß ja nie…

Auf dem Weg rund ums Maar kommt man an einem kleinen eingezäunten Tümpel vorbei. Ich habe ohne viel zu überlegen ein Bild gemacht, weil mir die Spiegelung der Bäume im Wasser sehr gut gefiel. Aber ehrlich gesagt, lange habe ich nicht gebraucht für das Bild. Filter? Stativ? Fehlanzeige!

Bildbearbeitung

Zu Hause ist das Bild dann natürlich prompt durchgefallen.

Aber vor ein paar Tagen habe ich es wiederentdeckt und angefangen, an den Lightroom-Reglern zu drehen. Ich hatte die Idee, eine düstere Hochmoorstimmung zu erzeugen.

Wie die Lightroom-Einstellungen zeigen, war gar nicht so viel machen, um den gewünschten Bildeindruck hervorzurufen. Auch wenn ich die Regler nie streng von oben nach unten in der von Adobe vorgegebenen Reihenfolge bediene, hier der Klarheit halber doch der Reihe nach:

  • Farbtemperatur ein wenig kühler
  • Belichtung um fast zwei Blendenstufen erhöht (warum, wird gleich klar)
  • Lichter runter
  • Tiefen hoch
  • Weiß und Schwarz jeweils leicht erhöht
  • Klarheit ein wenig erhöht

Mit dem Radialfilter (Weiche Kante 50, Häkchen gesetzt bei „Umkehren“) habe ich dann einige Bildelemente betont:

  • Die helle Partie im Himmel eine halb Blendenstufe abgedunkelt
  • Den Baum im Zentrum des Bildes, der sich im Wasser spiegelt, um eine knappe halbe Blendenstufe aufgehellt

Die Landschaft wurde mit dem Radialfilter, aber ohne „Umkehren“ gegenüber der Wasserfläche um eine Blende abgedunkelt, indem ich eine Ellipse mit diesen Filtereinstellungen auf die Wasserfläche legte.

Zu guter Letzt, um die Stimmung final einzutrüben, legte ich über das Panel „Effekte“ eine kräftige dunkle Vignette rund um das Bild.

Fertig.

Fazit

Zu diesem Bild habe ich bisher recht unterschiedliche Rückmeldungen bekommen. Von „Oh klasse… warst Du in Schottland“, über „Bah, das ist mir zu trist“ bis „Was soll das? Mit Bildbearbeitung hast Du aus einem schlechten Bild ein bearbeitetes schlechtes Bild gemacht“.

Die ersten beiden Kommentare entstanden einfach aus unterschiedlichen Geschmäckern der Betrachter und deren Assoziationen mit dem fertigen Bild.

Der dritte Kommentar ist wirklich interessant: Zum einen bin ich auch ein Verfechter der Position, ein Bild bereits in der Kamera so perfekt wie möglich zu gestalten. Das erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit dem Motiv und bereits vorher eine entsprechende Planung: Wetter, Sonnenstand, … wir kennen das…

Ein etwas unangenehmer Nebeneffekt dieser Vorgehensweise ist aber der Verlust der Spontaneität beim Fotografieren. Das stelle ich zumindest bei mir manchmal fest. Einfach so fotografieren? Aber ich habe ja weder Stativ noch Filter dabei. Das geht ja gar nicht.

Das ist für mich eine echte Beschränkung. Um diese aufzubrechen, ziehe ich oft auch ohne großen Plan los. Anfangs fühlt man sich   als gestandener Landschaftsfotograf ein wenig nackt, so ganz ohne Stativ… Aber das legt sich schnell, sobald sich ein Flow einstellt und ich beginne, Motive zu sehen.

Und genau so ist dieses Bild entstanden. Einfach so… ohne großen Plan…

Zieht Ihr auch manchmal ohne Plan los? Oder ist das für Euch ein No-Go? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare und Erfahrungen! :-)