Du bist verrückt!

Dieser Gedanke schlich sich am Abend vor meinem Start in die Bretagne in meinen Kopf. Was war geschehen?

Über Ostern 2018 wollte ich wieder einmal die Bretagne bereisen. Diesmal sollte es eine Soloreise sein. Ich wollte mal allein sein und mich voll und ganz auf die Fotografie konzentrieren. Die Unterkunft war gebucht und ein Auto war gemietet. Ein Auto? Mit dem Auto in die Bretagne? Allein? Das sind gute 1100 km von meinem Wohnort aus! Genau daher kam der fragende Gedanke, ob ich denn nicht verrückt geworden bin…

Doch der Reihe nach. Viel Spaß mit meinem Reisebericht Bretagne 2018!

Die Planung

Ziel war es, vom 29. März bis zum 2. April einige Locations an der Atlantikküste zu bereisen und schöne Landschaftsbilder von Leuchttürmen, dem Wetter, der Brandung etc. zu machen. Auch wollte ich mir mal den Schiffsfriedhof in Camaert-sur-Mer ansehen. Folgende Locations hatte ich auf der Agenda:

  • Leuchtturm Le Petit Minou
  • Leuchtturm an der Pointe de Kermorvan
  • Pointe Saint Mathieu
  • Pointe de Toulinguet
  • Leuchtturm auf der Île Vierge
  • Fort de Bertheaume
  • Pointe de Pen-Hir
  • Schiffswracks in Camaret-sur-Mer
  • Ortschaft Le Conquet

Manch einer ahnt, dass ich es nicht geschafft habe, die Liste komplett abzuarbeiten…

Aber ich hatte den Mond und die Gezeiten auf meiner Seite: Zur Zeit meines Aufenthalts war Vollmond und damit die Flut recht hoch. Die der Scheitel der Flut kam etwa gegen 06.00 Uhr und 18.00 Uhr, für die meisten Locations genau richtig.

Mit meiner Unterkunft, die ich ich bei booking.com gebucht hatte, habe ich einen Volltreffer gelandet: Das Studio indépendant chez l’habitant in der 10 rue Madame in Brest ist ein kleines günstiges Appartement, das ich nur empfehlen kann.

Es geht los…

Nachdem ich am Vortag alles gepackt hatte, klingelte am Gründonnerstag der Wecker um 04.00 Uhr morgens. Da ich vor solchen Reisen sowieso immer nicht so richtig schlafen kann, war ich schnell wach. Duschen, einen Kaffee, das Mietauto beladen und dann ging es um 20 Minuten vor fünf los.

Mein flinker Hirsch :-) , ein gemieteter VW Polo hatte kein eingebautes Navi, also behalf ich mir mit dem Smartphone und Google Maps. Insgesamt 1067 Kilometer sollten es sein bis zu Unterkunft in Brest. Google veranschlagte knappe 11 Stunden dafür. Also los.

Zunächst In Richtung Aachen und ab nach Belgien. Die netten belgischen Verkehrsteilnehmer fallen ja immer dadurch auf, dass sie bis an die Stoßstange des Vordermannes heranfahren und so war ich froh, als ich kurz vor acht Uhr bei Hensies die Grenze nach Frankreich überquerte. Das markante Betongebilde ähm… das „Monument Signal“ von Jacques Moeschal direkt an der Grenze ist weithin sichtbar und für mich immer ein schönes Zeichen, dass es in den Urlaub geht.

Dann ging es vorbei an Valenciennes und Amiens zur Pont de Normandie. Jedesmal, wenn ich über die Brücke fahre, bin ich beeindruckt von den Abmessungen und der Aussicht.

Mein kleiner Polo schlug sich tapfer, aber es fehlten ihm doch ein paar Pferdestärken. Aber in Frankreich sollte man sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen halten und so war auch das kein Problem. Zumal die Franzosen, anders als die Belgier, sehr zivilisierte Autofahrer sind.

Vorbei am Mont-Saint-Michel und ich war in der Bretagne – endlich! Rechts konnte ich nun schon das Meer sehen. Wunderbar! Kann man eigentlich Meer-süchtig werden?

Das letzte Stück des Weges zog sich dann doch ein wenig, aber ziemlich genau wie von Google vorgesagt kam ich gegen 16.30 Uhr in Brest an.

Die Vermieterin erwartete mich bereits und ich konnte schnell mein schmuckes, kleines Selbstversorger-Appartement beziehen.

Le Petit Minou

Nur ein paar Kilometer westlich von Brest steht einer der schönsten Leuchttürme der Bretagne: Le Petit Minou. Das war mein Ziel für den ersten Abend. Im August 2017 war ich zum letzten Mal da und hatte deshalb schon eine Vorstellung von der Location.

Es war schön ruhig, nur das allgegenwärtige Rauschen der Brandung war zu hören. Ich war allein und das war gut so. Da bis zum  Sonnenuntergang noch ein wenig Zeit war, sah ich mir die Location und die verschiedenen Fotostandpunkte nochmal in aller Ruhe an.

Nach ein paar Aufnahmen unten von den Felsen und oben vom Dach des Bunkers aus fing es an zu regnen. Keine Überraschung, denn das hatte der Wetterbericht vorhergesagt. Also setzte ich mich einige Zeit ins Auto und wartete. Eine gute Gelegenheit, endlich mal etwas zu essen…

Nachdem der Regen vorbeigezogen war, ging ich wieder zum Leuchtturm. Die Sonne stand nun schon tief, war aber leider von dunstigen Wolken verdeckt. Das orangefarbene Leuchten unter dem Brückenbogen würde heute nicht zu sehen sein.

Inzwischen waren zwei weitere Fotografen, jeweils mit nicht-fotografierender Partnerin dazu gekommen. Einer davon war ein sehr netter, recht gesprächiger Engländer. Der andere antwortete auf die Frage nach seiner Herkunft nur „I’m russian!“. Sonst nichts.

Gegen 22.00 Uhr, die Sonne war vor gut einer Stunde untergegangen, machte ich mich auf den kurzen Rückweg. Zurück in der Unterkunft dann das typische Fotoreisen-Prozedere: Akkus laden, Bilder aufs Notebook importieren und auf eine externe Festplatte sichern und eine erste Sichtung vornehmen. Erstes Urteil: Noch keine Poster, aber der Anfang war schonmal gemacht!

An der Pointe Saint Mathieu

Nach einer kurzen Nacht (Einschlafen gegen 23.30 Uhr, Aufstehen um 05.30 Uhr) fuhr ich zur Pointe Saint Mathieu. Leider regnete es stark, so dass ich nach einem kurzen Stop an der Pointe Saint Mathieu nach Le Conquet weiterfuhr und mir erstmal in einer Bäckerei ein Croissant und ein Pain au Chocolat holte. Lecker…

Nach dem kleinen Frühstück hatte der Regen aufgehört, aber auf Grund der Wolken gab es am Himmel leider kein Feuerwerk zum Sonnenaufgang. Einige Zeit lief ich nun am Weg entlang, der entlang der Klippen nach Osten führt und sah mir einige mögliche Fotostandpunkte für später an.

Mit ein wenig Geklettere auf den nassen Felsen – unten rauschte das ablaufende Wasser – fand ich ein paar für mich neue und sehr interessante Spots.

Zufrieden mit der Ausbeute des Vormittags machte ich Mittags bei inzwischen allerbestem Sonnenschein einen Abstecher zur Pointe de Kermorvan. Auf dem alten Gemäuer oberhalb des Leuchtturms machte ich eine sehr entspannte Mittagspause mit Salami, Käse, Oliven und Baguette. Fast nebenbei entstanden auch ein paar schöne Bilder. Das Wasser stieg inzwischen wieder und am Fuß des Leuchtturmes von Kermorvan rauschte es förmlich. Ich habe versucht, die sehr starke Strömung in einer Langzeitbelichtung einzufangen.

Im Anschluß machte ich einen Abstecher in die schöne Ortschaft Le Conquet mit ihrem alten Gemäuer und den Hafenanlagen.

Dann zurück zur Pointe Saint Mathieu. Nun noch ein wenig in der warmen Frühlingssonne entspannen und zusehen, wie das Licht am späten Nachmittag langsam golden wird.

Nun ging es los: Ich arbeitete alle Spots ab, die ich mir bei der Erkundung am Vormittag zurechtgelegt hatte. Die Flut hatte ihren Scheitel erreicht und das Wasser stand genau richtig. Durch das teilweise stürmische Frühlingswetter war auch richtig Bewegung im Wasser. Die Brandung donnerte und die Gischt spritzte meterhoch. Es war eine Freude!

Und am Ende des Tages wurde es dann serviert, das lang erwartete Feuerwerk am Abendhimmel.

Ab an die Nordküste

Für den Samstagmorgen hatte ich mir das Fort de Bertheaume vorgenommen. Ein kurioser Ort: Auf einem Felsen steht ein altes Fort, das durch eine kurze Brücke mit dem Festland verbunden ist. Leider fiel auch an diesem Tag der Sonnenaufgang dem Regen zum Opfer und als sich die Wolken verzogen hatten, stand die Sonne schon zu hoch. Also blieb es für dieses Mal bei ein paar Beweisfotos mit dem Smartphone.

Dann bin ich zum Phare de l’Île Vierge gefahren, um zu sehen, ob ich mit dem Motiv etwas anfangen kann. Der Leuchtturm ist ein reines Flutmotiv. Bei Ebbe steht er langweilig in einer Sand- und Steinwüste herum. Aber auch als Flut-Motiv sprach mich das Motiv nicht so an, als dass ich die Stunden bis zur Flut warten wollte.

Also weiter zum Phare de Pontusval. Hier war ich im letzten Jahr schon einmal und der schöne kleine Leuchtturm hat es mir damals echt schwer gemacht. Aber als ich ankam, ging der Wind so stark, dass der Sand nur so durch die Luft flog. Langsam ging es bergab mit meiner Laune…

Ach, fährste mal nach Roskoff, ins Zentrum der Zwiebeln. Eine schöne kleine bretonische Stadt mit Hafen und allem was dazugehört. Aber Zwiebeln habe ich nur an einem Touristenkiosk gesehen…

Na gut, zurück in Richtung Brest. Aber wohin dann? Während der Autofahrt dachte ich mir, dass ich es noch einmal am Petit Minou versuchen könnte. Vorgestern, bei meinem ersten Besuch, hat es ja ohne Ende geregnet. Der Wetterbericht verhieß Gutes. Aber was heißt das schon in der Bretagne, wo sich das Wetter minütlich ändert.
Aber alles passte! Der Himmel riss auf, die Sonne leuchtete, kurz bevor sie unterging und der Brückenbogen wurde in goldenes Licht getaucht. Ich konnte endlich die Bilder machen, die mir schon lange vorschwebten.

Ja! Das Leben ist schön! ☺️

Regen

Der letzte Tag meines Urlaubs führte mich auf Halbinsel von Crozon. Ich wollte dort die Pointe de Pen-Hir, den Schiffsfriedhof in Camaret-sur-Mer und eine für mich neue Location, die Pointe de Toulinguet fotografieren.

Wer in die Bretagne fährt, der weiß, dass man sich nicht auf einen langfristigen Wetterbericht verlassen kann und dass es besonders im Frühjahr öfter mal ausgiebig regnet. Und so auch am Ostersonntag. Nach dem langen Weg auf die Halbinsel war ich dann auch etwas enttäuscht. Also nahm ich mir zuerst den Schiffsfriedhof vor. Es war Ebbe, daher konnte ich bis an die Schiffsrümpfe herangehen und schöne Details einfangen. Das triste Wetter passte gut zu den verrottenden Wracks.

Dann ging es zur Pointe de Pen-Hir, wo ich feststellen durfte, dass das gleiche Wetter herrscht wie damals am 16.08.2017, als ich mit Phototours4U da war.

Plötzlich eine Regenpause. Also schnell raus auf die nassen und rutschigen Felsen und Fotografieren! Was und wo hatte ich mir vorher schon ausgedacht. Klettern ist hier aber gefährlich, es geht schnell etliche Meter senkrecht hinunter ins Meer. Etwa eine Stunde hatte ich Zeit, bevor mich ein heftig einsetzender Regen wieder ins Auto trieb. Dort gab erstmal ein leckeres Ostersonntagsmenü.

Danach fuhr ich zur Pointe de Toulinguet, aber das Wetter war inzwischen so schlecht, dass ich nicht mal mehr aus dem Auto ausstieg. Der Himmel hatte ein einheitliches Graukarten-Grau angenommen und ich entschied ich mich, zurück nach Brest zu fahren.

Fazit

Am Ostermontag trat ich dann nach vier ereignisreichen Tagen die Heimfahrt an. Sie verlief völlig problemlos, von Oster-Rückreiseverkehr zum Glück keine Spur…

Das war er, mein Solotrip in die Bretagne. Ich liebe diese Ecke der Welt. Und deshalb kann mich auch das schlimmste Wetter nicht davon abhalten, recht bald mal wiederzukommen.

Allein unterwegs zu sein, hat mir sehr gut gefallen. Ich habe meine Gedanken dazu in einem eigenen Blogartikel zusammengefasst, den ich vor kurzem veröffentlicht habe.

Ach ja… warum bin ich mit dem Auto gefahren und nicht geflogen? Dafür gibt es im wesentlichen zwei Gründe:

  • Die Entscheidung für diese Reise fiel relativ kurzfristig. Es wäre schwierig gewesen, über Ostern noch einen günstigen Flug zu bekommen. Und einen Mietwagen hätte ich vor Ort ja trotzdem benötigt.
  • Aus dem Rheinland fliegt man am besten ab Düsseldorf. In Paris ist immer Umsteigen angesagt. Ich wäre von Haustür zu Haustür sehr wohl ein wenig schneller gewesen. Aber den Stress mit Umsteigen wollte ich mir diesmal nicht antun.

Hat Dir mein Reisebericht Bretagne 2018 gefallen? Warst Du schonmal in der Bretagne? Wie hat es Dir gefallen? Hast Du Tipps für geniale Fotolocations in der Bretagne? Dann lass gerne einen Kommentar hier. Ich freue mich darauf!