Reisebericht Ammersee und Berchtesgaden

Eigentlich sollte es ja zu den Färöern gehen, meinen Lieblingsinseln im Nordatlantik. Ich wollte dort für Phototours4u einen einwöchigen Workshop durchführen und hatte mich schon riesig darauf gefreut. Aber dann kam der Corona-Lockdown und wir mussten die Färöer-Reise leider absagen.

Vorfreude

Da nun der Urlaub aber schon beantragt und die Reiselust trotz des Virus groß war, entschieden wir, mein Fotofreund Rolf Hillert und ich, uns stattdessen, die bayerische Berg- und Seenwelt mit der Kamera zu erkunden. Es sollte zuerst für zwei Tage an den Ammersee und dann für weitere vier Tage ins Berchtesgadener Land gehen.
Für mich war Berchtesgaden und der Königssee ein Heimspiel, weil ich früher sehr oft dort gewesen bin. Bisher allerdings immer in Form eines Familien- oder leichten Wanderurlaubs, nie als Fotoreise. Rolf war noch nie in Berchtesgaden und so freute ich mich darauf, ihm die Gegend zeigen zu können.
Los ging’s damit, dass ich in Bonn unseren Mietwagen abholte und Rolf in Baden-Baden aufsammelte. Gemeinsam fuhren wir dann gemütlich an den Ammersee. Die Fahrt verlief problemlos ohne viel Verkehr und wir freuten uns auf die kommenden Tage.

Vorbereitung

Für eine erfolgreiche Fotoreise ist die Vorarbeit sehr wichtig. Man sollte sich vorher mit der Gegend vertraut machen und ein wenig recherchieren, welche lohnenswerten Fotoziele einen erwarten. Für mich ist Google Maps ein wichtiges Hilfsmittel für die Reiseplanung. Ich lege für eine Reise immer eine neue Karte an und befülle diese mit den Locations, die ich mir ansehen möchte. Zu den einzelnen Locations mache ich mir  – in Google Maps – entsprechende Notizen, wie z.B. ob es sich eher um eine Sonnenauf- oder -untergangslocation handelt und was mir sonst noch wichtig erscheint.  Da die iPhone-Version von Google Maps keine Möglichkeit bietet, die erstellten Karten sinnvoll zu nutzen, exportiere ich die Karten als kmz-Datei und importiere sie dann in die App Maps.me auf meinem iPhone. Maps.me hat den großen Vorteil, dass es offlinefähig ist und dass es die Fußnavigation auch über kleine und kleinste Wege beherrscht.
Für unsere Tour hatten wir uns also auch eine Karte in Google Maps angelegt und diese in den Wochen vor der Reise immer weiter verfeinert. So wussten wir zwar, was uns erwartet, wir hatten uns aber vorgenommen, auch unbekannte neue Motive zu berücksichtigen.

Auf zum Ammersee

Die Fahrt zum Ammersee verlief unspektakulär und wir checkten nach der Ankunft schnell in unserem Hotel ein, um den Abend noch fotografisch nutzen zu können.
Rund um den Ammersee finden sich einige Naturbäder mit kleinem Strand und Liegewiese sowie eine Unmenge von Bootshäusern und Stegen. Leider gibt es viele private Seegrundstücke, wo der Zugang zum Wasser nicht möglich ist. Aber wir kamen auch so auf unsere Kosten. Direkt am ersten Abend gelangen uns wunderbare Langzeitbelichtungen bei allerbestem Abendlicht.
Am nächsten Tag kletterten wir sehr früh aus den Federn, da wir den Sonnenausgang an einem der Naturbäder erleben wollten. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, die kühle Morgenluft zu atmen, dem Konzert der Vögel zu lauschen, das Wasser leise plätschern zu hören und auf den Sonnenaufgang zu warten. Genau für solche Momente, die auf ewig im Gedächtnis bleiben, nehmen wir Landschaftsfotografen die ganzen Strapazen auf uns.
Am Vormittag erkundeten wir dann weitere Locations rund um den See und landeten auch im nahen Raisting, wo sich die großen Parabolantennen einer Satellitenfunkstelle befinden. Bei weiß-blauem Bilderbuchhimmel lichteten wir den Kontrast zwischen einer kleinen barocken Kapelle und den danebengehenden Satellitenschüsseln ab und beschlossen, Nachts nochmal zurückzukehren.
Zum Sonnenuntergang ging es nach Stegen an den Nordzipfel des Ammersees, wo Rolf ein paar besonders schöne Bootshäuser ausgekundschaftet hatte. Beim Fotografieren fraßen uns die Mücken förmlich auf.
In der Dunkelheit war dann nochmal Raisting angesagt. Eigentlich hatten wir vor, die Milchstraße über den Parabolantennen zu fotografieren. Leider war das Gelände der Erdfunkstelle hell erleuchtet, so dass die Milchstraße nur zu erahnen war.

Startrails!

Nach ein paar Fotos packten wir ein und kamen auf dem Rückweg an der alten Parabolantenne vorbei, die längst stillgelegt ist und als Schaustück dient. Diese Antenne sieht aus wie ein Relikt aus einem Science Fiction Film der 1960er Jahre.
Da der Himmel klar und über der Antenne auch recht dunkel war, so dass man die Sterne gut sehen konnte, entschieden wir uns, Startrails zu fotografieren. Also Kamera aufs Stativ, ausgerichtet, scharfgestellt und ein paar Testbilder für die optimale Belichtung und Komposition gemacht. Dann ging es los, Fernauslöser auf Dauerfeuer und meine Nikon Z7 machte Serienbilder mit der eingestellten Belichtungszeit von 10 Sekunden.
Die Kameras klickten vor sich hin und da wir insgesamt eine gute Stunde nichts zu tun hatten, freuten wir uns, dass wir noch zwei Dosen – leider ein wenig zu warmes – Bier im Auto hatten. Zur Überbrückung der Wartezeit hat es aber gereicht.
Die 340 Einzelbilder habe ich nach dem Import in LR zunächst gesichtet und Spuren von Flugzeugen und Sternschnuppen herausretuschiert. Danach habe ich ein Bild bearbeitet und die Bearbeitungsschritte in LR auf alle anderen Bilder synchronisiert. Zusammengebaut habe ich die Einzelbilder dann mit StarStax, einem kostenlosen Programm für den Mac, das m.E. sehr gute Ergebnisse liefert. Für das Endfinish kam dann nochmal LR zum Einsatz.
Alles in allem ein sehr erfolgreicher Tag, mit dem der erste Teil unserer Reise zu Ende ging.

Berchtesgadener Land

Am Morgen des nächsten Tages fuhren wir weiter nach Berchtesgaden. Am frühen Nachmittag waren wir da und bezogen unsere Zimmer in einer rustikalen Pension in Schönau am Königssee. Zur Einstimmung beschlossen wir, zuerst an den Königssee zu fahren und zum Aussichtspunkt Malerwinkel hochzulaufen. Zu unserer Erleichterung waren nicht so viele Touristen da, wie man es aus der „Vor-Corona-Ära“ kennt.  Wir wanderten also hoch zum Malerwinkel und genossen die Aussicht auf den See. Danach ging es durch den Wald weiter bergauf bis zum Aussichtspunkt an der Rabenwand. Von dort aus konnte man früher weiterwandern bis zum Naturpool des Königsbach-Wasserfalls. Leider ist der Weg nun gesperrt, weil in besagtem Naturpool inzwischen mehrere Menschen zu Tode gekommen sind. Bei den Opfern handelte es sich um leichtsinnige junge Leute, die in dem Pool badeten, aber nicht mehr herauskamen, weil der in den Pool stürzende Wasserfall einen sehr starken Strudel erzeugt. Schade, denn wir hätten uns den Wasserfall sehr gerne angesehen.
Nach der Rückkehr zur Schiffslände am Königssee kehrten wir in einen Biergarten ein und genossen die erste Radlmaß. Als wir aufbrachen, fing es heftig an zu regnen. Warten machte keinen Sinn, also liefen wir zum Parkplatz und kamen völlig durchnässt am Auto an. Das war schonmal ein gelungener Einstand!

Morgenlicht

Für den nächsten Tag hatten wir uns zum Sonnenaufgang mit Adam Pachula am Ufer des Hintersees verabredet. Wir waren pünktlich da, zum Glück vor ein paar anderen Fotografen, und bekamen ein wunderbares Lichtspektakel geboten, als die Morgensonne zuerst die Berggipfel der Reiteralpe und kurz darauf den Hochkalter in golden-oranges Morgenlicht tauchte. Und wieder war es da, dieses unbeschreibliche Gefühl…
Danach wanderten wir durch den Zauberwald, durch den die Ramsauer Ache, der Abfluss des Hintersees, rauscht. Ich bin seit meiner Kindheit schon viele Male dort gewesen und es wurde nie langweilig zwischen all den Felsen, die wie zufällig hingeworfen daliegen, dem dichten und urwüchsigen Wald und dem ewigen und allgegenwärtigen Rauschen der Ramsauer Ache.
Mit Rolf und Adam war ich nun allerdings zum ersten Mal ausschließlich zum Fotografieren da. Gar nicht so leicht, wie ich feststellen musste. Man denkt, man hat einen guten Spot gefunden, aber entweder kommt man nicht hin, ohne sich den Hals zu brechen oder es liegt doch irgendein Baum quer über dem Wasser und damit mitten im Motiv. Dadurch ist eine Szenerie zwar schön anzuschauen, aber nur sehr schwer in eine einfache und eingängige Bildkomposition zu fassen.

Gollinger Wasserfall

Nachmittags machten wir uns auf zum Gollinger Wasserfall. Auf dem Weg dorthin nahmen wir die Panoramastraße über das Rossfeld. Am Scheitelpunkt auf etwa 1600 Metern Höhe hat man einen schönen Rundumblick auf die umliegende Bergwelt und auf Salzburg. Ich könnte mir vorstellen, dass eine Nacht dort oben bei gutem Wetter tolle Bilder hervorbringen könnte…
Der Gollinger Wasserfall ist leicht zu erreichen, der Fotospot befindet sich nur ein paar hundert Meter hinter dem Kassenhäuschen. Man hat dort viele Möglichkeiten, die stürzenden Wassermassen in Szene zu setzen. Wir hatten das Glück, dass genau die richtige Menge an Wasser herunterkam. Später wanderten wir noch hoch zum Quellloch des Wasserfalls und genossen eindrucksvolle Blicke auf den Wasserfall. Das Wasser fällt in zwei Stufen nach unten, bevor es über die Abbruchkante fließt, die den eigentlichen Gollinger Wasserfall bildet. Eine der Stufen ist besonders eindrucksvoll: Im Fels befindet sich ein riesiges, fast kreisrundes Loch, hinter dem das Wasser tosend vorbeistürzt. Ein lautes Rauschen und jede Menge Gischt erfüllen die Luft. Solche Anblicke zeigen mir immer wieder, wie klein wir doch gegenüber der großartigen Natur sind.
Ein Rundgang durch Berchtesgaden stand natürlich auch auf dem Programm. Der alte Ortskern war so, wie ich ihn in Erinnerung hatte, es hatte sich zum Glück zur sehr wenig verändert. Wir wanderten auf dem Soleleitungsweg hoch zur kleinen Kirchleitn-Kapelle, auch bekannt als Lockstein-Kapelle. Das Wetter war jedoch nicht so, dass wir gute Bilder hätte machen können, aber zumindest als kleinen Scouting-Ausflug konnten wir die Wanderung verbuchen.
Am Abend fuhren wir dann hoch nach Maria Gern, um uns die Location mal anzusehen. Wir hatten vor, am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang die Kirche und den Watzmann schön in Szene zu setzen.

Morgenlicht, die Zweite

Der letzte Tag unserer Reise sollte dann auch der Höhepunkt werden: Den Sonnenaufgang erlebten wir in Maria Gern und Petrus belohnte uns fürs frühe Aufstehen wieder einmal mit einem wunderbaren Licht, das er über den Watzmann ergoß. Auch ein weiterer Spot, Berchtesgaden mit dem Watzmann im Hintergrund, klappte hervorragend.

Königssee im Nebel

Nach einem leckeren Frühstück mit Kaffee und Croissants im Café im Berchtesgadener Bahnhof fuhren wir weiter zum Königssee, wo wir das erste Schiff zum Obersee nehmen wollten. Wo vorher in Berchtesgaden die Sonne schien, lag dicker Nebel über dem Königssee. Und so oft ich schon am und auf dem Königssee war, noch nie habe ich so eine ruhige und friedliche Stimmung erlebt wie an diesem Tag unter wem Nebel. Das Elektroboot glitt fast lautlos über den See und ab und zu lichtete sich der Nebel ein wenig, um Fragmente der Ostwand des Watzmann freizugeben. Hier ist auch mein Lieblingsbild entstanden, das den Fischer in seinem Boot zeigt.
Am Obersee angekommen waren wir froh, die ersten zu sein. Doch schnell füllten sich die Wanderwege und bald saß auf fast jedem Stein eine junge Dame, die sich von ihrem Instagram-Sklaven in lächerlich-lasziven Posen fotografieren lies. Aber wir trafen auch ein sehr nettes junges Pärchen am Bootshaus an der Fischunkel-Alm, das uns freiwillig versicherte, dass sie sich nicht im Internet, sondern in „echt“ kennengelernt hätten. Nach ein paar Bildern, einem Speckbrot und einem Radler machten wir uns auf den Rückweg zum Bootsnalger. Nächste Station war St. Bartolomä. Der kleine Ort mit der markanten Kirche war schon sehr überlaufen und beschränkten wir uns auf einen Besuch des Biergartens und den Genuss einer gebackenen Forelle und einer Radlmaß. Den Besuch der Eiskapelle schenkten wir uns, da von dem einstmals beeindruckenden Gletscher und seiner Höhle nicht mehr viel übrig ist.
Zu guter Letzt schauten wir uns noch die bekannte Kirche St. Sebastian in Ramsau an und beschlossen den Tag und die Fototour mit einem leckeren Abendessen.

Fazit

Die Reise mit meinem Freund Rolf Hillert war ein mindestens gleichwertiger Ersatz für die ausgefallene Tour zu den Färöern. Für mich war der Besuch in Bayern wie ein „Coming home“. Ich denke, dass ich – neben den Ausflügen nach Nordeuropa – auch den bayerischen Bergen in Zukunft öfter mal wieder einen Besuch abstatten werde.
Habt Ihr Fragen oder braucht Ihr spezielle Tipps zu den Orten, an denen wir waren? Schreibt mir einfach eine Mail!

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