Mit dem iPad auf Fotoreise

In diesem kleinen Artikel beschreibe ich, wie mich neuerdings das iPad anstelle des MacBooks auf Fotoreisen begleitet und was ich getan habe, damit das funktioniert.

Wie habe ich es bisher gemacht?

Bisher hatte ich auf Fotoreisen immer mein 15 Zoll MacBook Pro dabei. Am Ende eines Fototages kopierte ich die Bilder von den Speicherkarten aufs MacBook, sichtete sie und machte auch gleich eine zweite Kopie auf eine externe SSD-Festplatte. Die SD-Karten, von denen ich immer mindestens vier Stück dabei hatte, formatierte ich während der Reise in aller Regel nicht. So hatte ich jedes Bild dreimal verfügbar und fühlte mich so gegen Hardwarefehler gut geschützt.

Und warum jetzt mit dem iPad?

Dafür gibt es einen einzigen Grund: Bei Winterreisen in den hohen Norden ist der Koffer immer recht voll und schwer und so suchte ich nach Möglichkeiten, Gewicht zu sparen. Und ein iPad ist nunmal wesentlich leichter als ein 15 Zoll MacBook Pro.

Der Import von SD-Karten aufs iPad klappte auch bisher mit dem SD-Kartenleser von Apple recht gut. Was ich nicht geschafft habe ist, die Bilder vom iPad auf eine externe SSD-Festplatte zu kopieren. Einen speziellen Lightning-USB-Stick wollte ich nicht verwenden, da mir die verfügbaren Modelle immer ein wenig zu schrottig vorkamen.

Nach dem Umstieg von Fuji zu Nikon habe ich nun zudem keine SD-Karten mehr. Die Nikon Z7 benötigt XQD-Karten, für die es aber keine Kartenleser mit Lightning-Anschluss gibt.

Nach einiger Recherche und einem Tipp von Patrick Holland-Moritz habe ich aber eine Lösung gefunden, die ich momentan teste und höchstwahrscheinlich auch auf der Norwegen-Reise im Januar 2020 im Einsatz haben werde.

Natürlich gibt es für den Zweck spezielle und sehr gute Lösungen, wie z.B. die Gnarbox. Es war mir aber wichtig, im wesentlichen Dinge zu benutzen, die ich schon besitze. Und so musste ich mir nur den im nächsten Abschnitt beschriebenen Apple-Adapter kaufen.

Was wird benötigt?

  • ein iPad. Ich nutze aktuell ein iPad Pro der ersten Generation. Dieses hat noch einen Lightning-Anschluss, kann aber UBS 3 via Lightning.
  • einen Apple „Lightning auf USB 3 Kamera-Adapter“. Dieser hat einen USB 3 – und einen weiteren Lighting-Anschluss. Dieser Lightning-Anschluss ist wichtig (s.u.).
  • einen XQD-Kartenleser mit USB-C – Anschluss. Es geht natürlich auch einer mit USB 3 – Anschluss, aber meiner hat eben USB-C.
  • eine externe SSD mit USB-C – Anschluss (SanDisk Extreme Portable SSD 1TB)
  • einen Adapter USB-C auf USB 3. Zum Verbinden von Kartenleser bzw. SSD mit dem Apple-Adapter. Wird mit der SSD geliefert.
  • ein kurzes Kabel mit USB-C – Steckern an beiden Enden zum Anschluss der SSD. Wird mit der SSD geliefert.
  • eine Powerbank bzw. ein Ladegerät mit Lightning-Anschluss.

Verbinden der Hardware

Die erste Hürde war die Erkenntnis, dass der Lightning-Anschluss des iPad nicht genügend Strom liefert, damit die SSD erkannt wird. Hier kommt der Lightning-Anschluss des Apple-Adapters ins Spiel: An diesen ist eine Stromversorgung, entweder eine Powerbank oder ein Ladegerät, anzuschließen.

Eine weitere Erkenntnis war es, die richtige Reihenfolge beim Zusammenstecken herauszubekommen. Anfangs wunderte ich mich, dass die SSD bei bereits eingesteckter Stromversorgung nicht erkannt wird. Eine sichere Erkennung funktioniert aber, wenn man die Stromversorgung zuletzt einsteckt, also erst nachdem die SSD mit dem iPad verbunden wurde.

Der Workflow

Ziel des Ganzen ist es, meine Bilddateien auf Reisen mehrfach zu sichern. Dabei möchte ich nicht auf eine breitbandige Netzwerkverbindung angewiesen sein. Deshalb entfallen alle Cloud-basierten Lösungsmöglichkeiten. Die Dateien sollen lokal auf dem iPad gespeichert werden und von da aus auf ein weiteres Medium – die SSD – kopiert werden.

Ich möchte die Dateien nicht in der Fotos-App speichern, da ich sie von dort aus nicht mehr auf die SSD bekomme. Zudem gab es beim Testen einige nicht sauber reproduzierbare Komplikationen, so das ich diesen Weg nicht weiterverfolgt habe. Stattdessen erledige ich den Datentransfer mit Hilfe der Dateien-App von Apple.

  1. Anstecken des XQD-Kartenlesers ans iPad
  2. Anlegen eines Tagesordners auf dem iPad mit Hilfe der Dateien-App (z.B. Norwegen_20200129)
  3. Kopieren der Bilddateien (RAWs, JPGs und ggf. Videos) von der XQD-Karte auf das iPad in das eben erstellte Tagesverzeichnis
  4. Trennen des XQD-Kartenlesers vom iPad
  5. Anstecken der SSD ans iPad
  6. Kopieren des o.g. Tagesordners mit Hilfe der Dateien-App auf die SSD

Fertig.

Hier ein paar Anhaltswerte, wie lange das Kopieren von 200 Nikon RAW-Dateien dauert:

  • Von der Karte auf das iPad: 9 Minuten 10 Sekunden
  • Vom iPad auf die SSD: 5 Minuten 33 Sekunden
  • Von der Kamera (Nikon Z7) auf das iPad: Fehlanzeige, weil die Kamera nicht vom iPad erkannt wurde.

Die Gesamtdatenmenge betrug 11,4 GB, die durchschnittliche Dateigröße 54 MB. Zum Test habe ich eine Sony XQD-Karte vom Typ G mit 120 GB Fassungsvermögen benutzt.

Die deutliche Differenz  zwischen Lesen und Schreiben führe ich darauf zurück, dass ich zum einen einen NoName-Kartenleser benutze, der scheinbar nicht sonderlich schnell ist, obwohl er laut Datenblatt angeblich 500MB/s für Lesen und Schreiben leistet. Zum anderen ist die SanDisk SSD sicherlich recht schnell. Die dort angegebene Schreibgeschwindigkeit von 465MB/s wird aber auch nicht mal annäherungsweise erreicht.

Das Nadelöhr scheint also entweder der Apple Adapter oder das iPad selbst zu sein. Oder beides.

Zum Vergleich: Das Kopieren derselben 200 Dateien mit demselben Kartenleser auf mein MacBook Pro (Modell 2019) dauert gerade mal 29 Sekunden!

Unterm Strich ist das aber nicht so schlimm, denn erstens sind 200 Bilder schon eher das Maximum dessen, was ich an einem Tag nach Hause bringe. Es sei denn, ich fotografiere Spaghettiwasser oder Seascapes oder mache Startrails. Zweitens ist der erste Schritt am Ende eines Fototages immer das Sichern der Bilder. Während das läuft, mache ich andere Dinge wie Duschen, Essen etc.

Anmerkung: Seit der neuesten Version unterstützt auch Lightroom Mobile das Importieren von Bildern direkt vom Kartenleer aus. Da mir aber der Cloud-Speicherplatz meines Adobe Abos nicht für eine ganze Fotoreise reicht und ich wie bereits erwähnt nicht auf Cloud-basierte Lösungen setzen wollte, habe ich diese Möglichkeit nicht weiterverfolgt.

Bildbearbeitung

Der Workflow verfolgt nicht das primäre Ziel, die mobile Bildbearbeitung z.B. mit Lightroom Mobile zu unterstützen. Aber natürlich möchte ich auch von unterwegs manchmal ein Bild zeigen, das ich vorher gerne auch bearbeiten möchte. Das geht ganz einfach, da die Bilder aus der Dateien-App ohne weiteres in Lightroom Mobile importiert und dort bearbeitet und exportiert werden können.

Nach der Fotoreise

… nehme ich die SSD und importiere alle Bilder in den Lightroom-Katalog meines heimischen iMac und beginne mit der „richtigen“ Bildbearbeitung. Sollte dabei etwas schief gehen, habe ich immer noch die Dateien auf dem iPad und auf den Speicherkarten.

Wichtig zu wissen

Der hier beschriebene Ablauf ist sicher noch an der einen oder anderen Stelle zu optimieren. Aktuell gehe ich aber davon aus, dass meine Bilddateien während der Fotoreise damit ausreichend geschützt sind und dass der Workflow „machbar“ sein wird. Soll heißen, dass er mich weder behindern noch mir auf die Nerven gehen wird. Das einzige Manko, das ich bisher feststellen konnte, ist der fehlende Komfort der Dateien-App beim Kopieren von Dateien. Es ist keine richtige Fortschrittsanzeige verfügbar, sondern das Kopieren ist nur an einem kleinen sich drehenden Symbol in der rechten oberen Ecke der App erkennbar. Der Abschluss des Kopierens ist dann aber wieder klar erkennbar. Es besteht also wenig Gefahr, dass man die externen Medien während des Kopiervorganges versehentlich trennt.

Nun bleibt abzuwarten, was der echte Test in Norwegen ergibt. Ich werde berichten….

Weiterführende Links und Produktempfehlungen

Im folgenden finden sich Affiliate-Links zu den Produkten, die ich selbst nutze und im Artikel beschrieben habe: