In diesem Artikel möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, die mir kürzlich passiert ist. Es geht dabei um einen Kundenservice, wie man ihn sich besser nicht vorstellen kann.

Igitt, ein rosa Farbstich!

Als Landschaftsfotograf nutze ich seit dem Umstieg auf Fuji die GND- und den Polarisationsfilter des englischen Herstellers LEE. Als ich damit im Jahr 2018 in der Bretagne am Meer fotografierte, ist mir zum ersten Mal ein kräftiger rosa Farbstich aufgefallen, den ein LEE GND-Filter im Himmel erzeugt hat. In der Nachbearbeitung konnte ich diesen zwar größtenteils entfernen, aber das Ergebnis war insgesamt unbefriedigend. Bei vorherigen Touren zu den Lofoten oder in die Bretagne habe ich diesen Fehler komischerweise nicht bemerkt.

Wechsel des Filteranbieters?

Parallel zu meiner Erfahrung werden seit dem letzten Jahr die Filter von Haida ziemlich gehyped. Insbesondere die neuen, sehr guten (und sehr teuren) Filter der Red Diamond-Serie haben viele meiner Fotokollegen zu einem Wechsel angeregt. Nachdem ich mit den LEE-Filtern nicht zufrieden war, tendierte auch ich zu einem Wechsel des Herstellers.

Allerdings kostet so ein Wechsel ziemlich viel Geld. Mit Filterhalter, Adapterringen, Polarisationsfilter, verschiedenen GND- und ND-Filtern ist man schnell etliche hundert Euro los. Dazu konnte ich mich noch nicht ganz überwinden.

LEE, wir müssen reden!

Also habe ich erst mal das getan, was man als unzufriedener Kunde immer tun sollte: Mit dem Hersteller Kontakt aufnehmen.
Eine E-Mail an den Support von LEE wurde sehr schnell beantwortet. Ich wurde um eine exakte Fehlerbeschreibung sowie um ein paar Beispielbilder gebeten. Daraufhin entspann sich ein sehr freundlicher und aufschlussreicher Dialog mit einem sehr kompetenten Mitarbeiter von LEE. Danach dauerte es gar nicht lange, bis er mir anbot, meine fehlerhaften Filter einzusenden, um sie neu einfärben („redying“) zu lassen.

Wie das erneute Einfärben funktionieren sollte und ob dieser Weg erfolgreich sein würde, konnte ich mir erst mal überhaupt nicht vorstellen. Nach ein wenig Suche im Internet bin ich auf ein schönes Video von Mike Browne gestoßen, in dem der Herstellungsprozess der LEE-Filter genau erklärt wird.

Nachdem ich das Video gesehen hatte, war mir auch klar, wie das Einfärben funktioniert: Sie werden einfach nochmal in die „Brühe“ getaucht.

Nebenbei bemerkt: LEE ist einer der wenigen Hersteller, die noch Resin als Basismaterial für GND-Filter verwenden. Andere Hersteller sind dazu übergegangen, verschiedene Gläser zu verwenden. Die optischen Eigenschaften beider Materialien sind hervorragend. Was am Ende besser ist, weiß ich nicht, denn beide Materialien haben ihre Vor- und Nachteile: So ist Glas kratzfester, aber auch viel bruchempfindlicher. Als Landschaftsfotograf fallen einem die Filter ja nicht auf einen Teppich, sondern zwischen die Steine. Und da zerlegt es auch die modernen, angeblich unkaputtbaren Glasfilter. Andererseits lassen sich Glasfilter gut beschichten, so dass sie wasserabweisend und damit leichter zu reinigen sind.

Im Dialog mit LEE

Per Mail habe ich dann noch meinen Ansprechpartner bei LEE gefragt, ob sich durch das Einfärben an den optischen Eigenschaften der Filter, also der Gradation oder der Filterstärke, etwas ändern würde. Das wurde aber verneint.

Also verpackte ich die Filter gut und sandte sie zu LEE nach England. Es handelte sich um sechs GND-Filter: 0.6, 0.9 und 1.2 jeweils in soft und hard. Der Austauschprozess sollte etwa zwei Wochen dauern.

Überraschung!

Und jetzt kommt’s: Nach ein paar Tagen erhielt ich eine E-Mail, in der mir angekündigt wurde, dass meine sechs eingesandten Filter kostenfrei gegen neue Filter ausgetauscht würden und dass diese bereits auf dem Weg zu mir seien. Diese gute Nachricht machte mich erstmal sprachlos.

Die neuen Filter kamen nach ein paar Tagen an. Ich war sehr gespannt, aber aufgrund des Wetters dauerte es ein wenig, bis ich sie testen konnte.

Ein Vorher-Nachher-Vergleich war mir leider nicht möglich, da ich die alten Filter ja zu LEE geschickt hatte.

Und natürlich konnte ich die Situation, wie sie in der Bretagne vorgeherrscht hatte, zu Hause nicht exakt nachstellen. Der rosafarbene Stich trat meistens auf, wenn der Himmel leicht bedeckt war und sich die Sonne knapp außerhalb des Frames befunden hatte. Solch eine Situation passte ich ab und verbrachte dann eine längere Zeit auf dem Balkon, um die neuen Filter mit meinen Kameras (Fuji X-T2 und X-T3), verschiedenen Objektiven, Brennweiten und Blendenwerten zu testen. Insbesondere machte ich auch Langzeitbelichtungen in Kombination mit meinen ND-Filtern von Haida. Der LEE-Mitarbeiter, mit dem ich mich ausgetauscht hatte, vermutete nämlich anfangs, dass der Sensor der Fuji-Kameras empfindlicher gegen Infrarotlicht ist als andere Sensoren, was sich ja besonders bei Langzeitbelichtungen bemerkbar macht. Im übrigen veränderte ich beim Test auch die Position der Kamera relativ zur Sonne, so dass diese mal mehr, mal weniger nah an der Bildkante war. Im Ergebnis konnte ich nur bei zwei Bildern einen sehr schwachen Farbstich erkennen.

Der erste richtige Test der neuen Filter kam dann während einer Fototour nach Norwegen. Hier hatte ich alle erdenklichen Testbedingungen zur Verfügung. Ergebnis: Kein Farbstich! Weder bei Kurzzeit- noch bei Langzeitbelichtungen, weder mit, noch ohne gleichzeitig eingeschobenem ND-Filter.

Fazit

Im Ergebnis konnte ich feststellen, dass die neuen Filter nun sehr farbneutral sind. Einen schwachen rosafarbenen Stich konnte ich in Kombination mit Haida ND-Filtern nur einmal reproduzieren., ohne ND-Filter überhaupt nicht. Perfekt!

Für mich bedeutet das, dass ich bei LEE bleiben werde.

Mein Fazit: Wenn Ihr unzufrieden seid, sprecht die Hersteller an! Ihr spart Euch vielleicht eine Menge Geld und versetzt die Hersteller in Lage, ihre Produkte zu verbessern.

Weiterführende Links

Hier ein paar Links zu LEE-Filters: