Raus aus dem kreativen Loch mit Inspiracles

Jeder Fotograf kennt das: Plötzlich hast Du keine Ideen mehr! Du suchst verzweifelt nach Motiven und Locations und je mehr Du suchst, desto größer wird die Quälerei. Die Fotografie macht Dir keinen Spaß mehr. Du findest das aber schade, weil Du ja eigentlich sehr gerne fotografierst. Also suchst Du weiter, immer verbissener. Der Teufelskreis beginnt, sich immer schneller zu drehen…

Ich würde das nicht so drastisch schreiben, wenn ich es nicht selbst schon erlebt hätte.

Was kannst Du also tun, um dem Teufelskreis zu entfliehen?

Erstens: Du könntest versuchen, vorübergehend etwas Abstand zur Fotografie zu gewinnen und Dich mit etwas anderem zu beschäftigen. Sei Dir sicher, die Lust auf die Fotografie kommt wieder!

Zweitens: Eine andere Möglichkeit ist es, sich mit verschiedenen Kreativitätstechniken auseinanderzusetzen. Kreativitäts-Techniken? Das klingt irgendwie verkopft, oder? Ist es aber nicht. In vielen Bereichen wie z.B. Politik, Wirtschaft oder Bildung wendet man seit längeren verschiedene Methoden an, um gezielt neue Ideen zu erzeugen. Beruflich habe ich mit der IT zu tun und auch dort befassen wir uns mit Innovations- und Kreativitätstechniken, um zum Beispiel neue Wege bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen zu finden.

Doch zurück zur Fotografie: Die Münchener Firma Inspiracles hat es sich zur Aufgabe gemacht, uns Fotografen aus dem kreativen Loch zu helfen! Es gibt jetzt die Inspiracles-Karten mit Fotoaufgaben.

Inspiracles hat mir einen Satz dieser Karten zum Test zur Verfügung gestellt und ich werde nun beschreiben, was man damit anstellen kann.

Kartenspielen oder Fotografieren?

Die Karten kommen in einer schönen Blechbox. Sie sind etwas größer als Spielkarten und aus stabilem, beidseitig farbig bedrucktem Karton.

Jede der Karten enthält eine Foto-Aufgabe. Diese Aufgabe ist unter der Überschrift „Inspiration“ kurz beschrieben. Darunter gibt es noch einen oder mehrere Tipps zur Erläuterung oder zur Hinführung auf die Aufgabe. Auf der Rückseite der Karte finden sich einige Beispielbilder, wie andere Fotografen diese Aufgabe gelöst haben.

Wie arbeitet man mit den Karten? Ganz einfach: Du ziehst Dir eine zufällige Karte und bearbeitest die Aufgabe, die darauf steht. Bearbeiten bedeutet, dass Du Dich sich ernsthaft mit der Aufgabe auseinandersetzt. Das kann einen Tag oder auch länger dauern.

Die Karten liefern Dir Ideen für fotografische Aufgaben, die Du konzentriert aber mit Spaß umsetzen kannst. Durch die intensive Beschäftigung mit diesen Ideen verankerst Du sie in Deinem Erfahrungsschatz und kannst sie später bei Bedarf wieder abrufen.

Beispiel gefällig?

Eine Karte nennt sich „Repeat“. Die Aufgabenstellung lautet wie folgt:

Anmerkung: Die Qualität der Karten ist deutlich besser, als es auf den Bildern aussieht ;-)

Vielfalt

In der Box befinden sich insgesamt 40 Aufgabenkarten. Weitere Aufgaben sind zum Beispiel:

  • Farben: Mache Bilder, in denen eine Farbe dominiert
  • Parallel: Suche Dir Motive mit parallelen Linien
  • Complementary: Finde Motive mit zwei Kontrastfarben. Interessant, sich in diesem Zusammenhang ein wenig mit der Farbenlehre zu beschäftigen
  • Defocus: Stelle mal mit Absicht nicht scharf. Es kann spannend sein, herauszufinden, was das beste Maß an Unschärfe für ein bestimmtes Motiv ist.

Manche Aufgabenstellungen, wie z.B. Behind (Fotografiere Objekte von hinten) oder Sideways (Wie sieht Dein Motiv von der Seite aus?) finde ich auf den ersten Blick etwas schräg. Aber es kann spannend sein, sich auch damit zu beschäftigen.

Besonders gut gefällt mir die Aufgabe Pane. Dabei geht es darum, ein Motiv durch eine Scheibe zu fotografieren. Man kann hier viele Aspekte einfließen lassen, wie z.B.

  • Schmutzige oder verkratzte Scheibe
  • Regentropfen auf der Scheibe
  • Reflexionen, die in einem Bild unterschiedliche Motivebenen erzeugen
  • Spiegelung von Lichtern
  • … oder eine Kombination dieser Aspekte.

Neben den Aufgabenkarten, einer Anleitungskarte und einer (m.Mn. zu kleinen) Graukarte gibt es fünf Spickzettel-Karten:

  • Zusammenhang zwischen Blende und Verschlußzeit, Blendenreihe
  • Blende und Schärfentiefe
  • Verschlußzeit und Bewegungsunschärfe
  • ISO und Rauschverhalten
  • Hyperfokaldistanz. Die abgedruckten Tabellen sind leider nicht wirklich brauchbar, da ihnen zum einen die Kopfzeilen mit der Beschriftung der Tabellenspalten fehlen und zum anderen nicht zwischen den auf der Vorder- und Rückseite abgedruckten Tabellen unterschieden wird. Hier möchte ich auf meinen Artikel über die Hyperfokale Distanz hinweisen, in dem ich die Zusammenhänge genauer beschrieben habe. Dort gibts auch eine Excel-Tabelle zum Herunterladen.

Zu guter Letzt enthält die Box noch zehn Tipps für bessere Fotos und eine Karte mit lustigen fotografischen Weisheiten.

Mein Fazit

Gut, als erfahrener Fotograf wirst Du nun behaupten, das sei alles nichts Neues. Und zugegeben, es gibt auch andere fotografische Kartenspiele, wie z.B. die Bigger Picture Cards.

Ich persönlich finde aber, die Inspiracles-Karten sind eine schöne und erfrischende Möglichkeit, die eigene Kreativität zu fördern und aus dem üblichen Trott auszubrechen. Als Landschaftsfotograf fotografiere ich fast ausschließlich Landschaften – logisch. Die intensive Beschäftigung mit nur einem einzigen Thema kann aber auf Dauer etwas abstumpfen. Mir persönlich hilft es sehr, ab und zu mal andere Motive aufs Korn zu nehmen oder andere Techniken auszuprobieren. Das erweitert meinen Horizont und hilft mir, nicht zu eindimensional zu denken.

Man muss dabei nicht immer mit der großen Fotoausrüstung losziehen. Denkbar ist auch, die Karten auf dem Weg zur Arbeit oder auf einer Dienstreise nur mit dem Smartphone bewaffnet zu nutzen.

Die Inspiracles-Karten sind mit einem Preis von knapp 20 Euro keine riesige Investition und sind es allemal wert, ausprobiert zu werden. Denn kreative Löcher kennt jeder, der oft und gerne fotografiert.

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