Eine Städtereise nach Stockholm

Im Juni diesen Jahres war ich eine Woche in Stockholm und habe mir zusammen mit meiner Partnerin die Stadt angeschaut. Ich war zum ersten Mal da und um es kurz zu machen, es war toll! Natürlich war auch die Kamera mit dabei. Diesmal wollte ich aber ein Experiment durchführen: Nicht meine drei dicken 2.8er Nikon-Zooms gingen mit, sondern drei Festbrennweiten. Von gestandenen Fotografen bekommt man ja immer zu hören, dass es wahre Fotografie nur mit Festbrennweiten gibt – oder so ähnlich…

Nur Festbrennweiten in der Tasche

Das wollte ich auch ausprobieren und habe neben der Nikon D810 das 24/1.8, das 50/1.4 und das 85/1.8 bereitgelegt. Alles tolle Objektive, mit denen ich schon viele gute Bilder gemacht habe. Aber als Landschaftsfotograf mag ich meine Zooms lieber, da es mir eben nicht immer möglich ist, den Bildausschnitt anstatt durch Zoomen durch Vor- oder Zurücklaufen zu verändern. Man findet sich da schnell mal ein paar Meter tiefer oder im Wasser…

Aber ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, nur mit Festbrennweiten unterwegs zu sein. Die Ausrüstung verpackte ich in meiner uralten ausgenudelten Lowepro Nova 4 Schultertasche und dann ging es los. Aber nicht mit dem Fotografieren, sondern mit der Frage, welches Objektiv denn nun das „Immerdrauf“ sein sollte.

Festbrennweite oder Zoomobjektiv: Meine Erfahrungen

Am ersten Tag versuchte ich es mit dem 24er. Das ging recht gut für Übersichtsbilder von Stockholm, insbesondere die Gassen der Altstadt Gamla Stan konnte ich so vielfältig auf den Sensor bannen. Öfter habe ich zum 85er gewechselt um Details herauszupicken, um dann wieder das 24er zu montieren.

Das 50er habe ich in den ersten Tagen fast nicht benutzt. Das hin- und herwandern, um den Ausschnitt zu finden hat mich nicht sonderlich gestört. Richtig genervt haben mich aber spätestens am zweiten Tag die pausenlosen Objektivwechsel. 24er runter, 50er drauf, Bild komponieren, vor- oder zurückgehen, feststellen, dass es doch nicht reicht, 85er drauf, nochmal den Ausschnitt suchen und dann endlich abdrücken. Das war nervig und hat mir auch keinen Spaß gemacht. Da ich das 50er fast nicht benutzt habe, blieb es ab dem vierten Tag im Hotelzimmer. Aha – wenn man nur die Wahl zwischen zwei Brennweiten hat, die sich zudem wie das 24er und das 85er recht deutlich voneinander unterscheiden, wirds schon ein wenig einfacher.

Und am fünften Tag war dann nur das 24er dabei. Und Bingo, das wars! Mit nur einer Brennweite kam ich gar nicht erst in Versuchung, das Objektiv zu wechseln. Der Tag war total entspannend. Ich musste mich viel bewegen, hatte aber nicht das Gefühl, dass ich manche Bilder mangels passender Brennweite nicht machen konnte. Um es anders auszudrücken: Die Kamera und damit die Technik traten in den Hintergrund und machten die Bahn frei für die Kreativität. Fortan war ich nur noch mit dem 24er unterwegs und… glücklich.

Was bedeutet das nun für meine Fotografie? Über dieser Frage habe ich lange gebrütet.

Das Ergebnis

Zunächst zu den Fakten:

Die drei Festbrennweiten decken annähernd den Bereich meines 24-70/2.8 ab. Dieses wiegt 900 Gramm. Die drei Festbrennweiten wiegen zusammen ein Kilogramm. Knapper Sieg für das Zoom. Das 24-70/2.8 hat mit aufgesteckter Steulichtblende eine Länge von etwa 20 Zentimetern. Punkt für die Festbrennweiten, keine von denen ist so lang und sperrig. Die Festbrennweiten sind allesamt sehr lichtstark. Aber ich habe die hohe Lichtstärke nicht benötigt. Kein Bild ist mit einer Blende größer f/4 entstanden. Hier gibts keinen Punkt, da die Objektive nichts dafür können. Über die Bildqualität lasse ich mich nicht aus, da alle Objektive – Festbrennweiten und das Zoom – eine hervorragende Abbildungsqualität liefern.

Nun zum emotionalen und vielleicht entscheidenden Teil:

Das nervigste an dem Versuch war das ständige Wechseln wollen oder müssen der Objektive. Daher wieder ein Punkt für das Zoom. Das ist für mich der entscheidende Punkt.

Und das Fazit?

Ein Lichtblick während des Experiments war die Phase, in der ich nur mit einem Objektiv, dem 24er unterwegs war. Da habe ich die anderen Brennweiten nicht vermisst. Es könnte also durchaus möglich sein, dass ich zukünftig in planbaren Situationen nur mit einem Objektiv unterwegs bin. Dann ginge der „Gewichtspunkt“ an die Festbrennweiten.

Aber ein besseres Gefühl habe ich eindeutig mit dem Zoomobjektiv. Damit fühle ich mich besser gewappnet. Die Zooms werden bei mir nicht von Festbrennweiten verdrängt werden. Auf der nächsten Städtetour allerdings könnte ich durchaus schwach werden und mit ganz kleinem Gepäck, also nur dem 24er zu reisen.

Festbrennweite oder Zoomobjektiv? Vielleicht ist die Frage nicht ganz richtig gestellt. Müsste sie nicht vielmehr lauten: Welches ist die optimale Ausrüstung für eine bestimmte Aufgabe? Ist nicht das ganze Gerede wie „Festbrennweiten sind besser als Zooms“ völliger Quatsch? Die Frage Festbrennweite oder Zoomobjektiv beantworte ich mir selbst nun so: Kommt ganz darauf an…

Wie entscheidet Ihr Euch, welche Ausrüstung Ihr mitnehmt? Entscheidet Ihr Euch bewußt zwischen Festbrennweiten und Zooms? Oder nutzt Ihr gar nur eine Festbrennweite? Bitte schreibt mir Eure Meinungen in die Kommentare.

2 Kommentare
  1. artifex
    artifex sagte:

    Angeregt durch die ähnliche Erfahrungen, wie hier berichtet werden, habe ich nach langem hin und her mir auch ein 24mm, EF-S 2.8 „Pancacke“, für meine Canon zugelegt. Das 50mm geht mir mit dem Crop schon zu sehr in Richtung leichtes Tele.
    Nach Ostern geht es nun für eine Woche nach Lissabon, dort soll dann das 24er vorwiegend zum Einsatz kommen. Bin mal gespannt ob es mir genauso geht. Ein Zoom werde ich zwar als „Reserve“ mitnehmen, möchte es aber eigentlich nicht einsetzen.

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    • Thomas Zilch
      Thomas Zilch sagte:

      Danke für Deinen Kommentar. Bei mir hat sich die Sache inzwischen ebenfalls weiterentwickelt: Auf Städtetouren nehme ich inzwischen nur noch Festbrennweiten mit. Je weniger Objektive, desto besser. Die Zooms nutze ich fast nur noch für die Landschaftsfotografie, weil ich da nicht immer die Möglichkeit habe, den Bildausschnitt durch Veränderung meines Standortes festzulegen. Man plumpst da schnell mal über eine Klippe oder steht mit dem Rücken an einer Felswand… 😉

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