LEE-Filter: Story mit Happy End

LEE-Filter: Story mit Happy End

In diesem Artikel möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, die mir kürzlich passiert ist. Es geht dabei um einen Kundenservice, wie man ihn sich besser nicht vorstellen kann.

Igitt, ein rosa Farbstich!

Als Landschaftsfotograf nutze ich seit dem Umstieg auf Fuji die GND- und den Polarisationsfilter des englischen Herstellers LEE. Als ich damit im Jahr 2018 in der Bretagne am Meer fotografierte, ist mir zum ersten Mal ein kräftiger rosa Farbstich aufgefallen, den ein LEE GND-Filter im Himmel erzeugt hat. In der Nachbearbeitung konnte ich diesen zwar größtenteils entfernen, aber das Ergebnis war insgesamt unbefriedigend. Bei vorherigen Touren zu den Lofoten oder in die Bretagne habe ich diesen Fehler komischerweise nicht bemerkt.

Wechsel des Filteranbieters?

Parallel zu meiner Erfahrung werden seit dem letzten Jahr die Filter von Haida ziemlich gehyped. Insbesondere die neuen, sehr guten (und sehr teuren) Filter der Red Diamond-Serie haben viele meiner Fotokollegen zu einem Wechsel angeregt. Nachdem ich mit den LEE-Filtern nicht zufrieden war, tendierte auch ich zu einem Wechsel des Herstellers.

Allerdings kostet so ein Wechsel ziemlich viel Geld. Mit Filterhalter, Adapterringen, Polarisationsfilter, verschiedenen GND- und ND-Filtern ist man schnell etliche hundert Euro los. Dazu konnte ich mich noch nicht ganz überwinden.

LEE, wir müssen reden!

Also habe ich erst mal das getan, was man als unzufriedener Kunde immer tun sollte: Mit dem Hersteller Kontakt aufnehmen.
Eine E-Mail an den Support von LEE wurde sehr schnell beantwortet. Ich wurde um eine exakte Fehlerbeschreibung sowie um ein paar Beispielbilder gebeten. Daraufhin entspann sich ein sehr freundlicher und aufschlussreicher Dialog mit einem sehr kompetenten Mitarbeiter von LEE. Danach dauerte es gar nicht lange, bis er mir anbot, meine fehlerhaften Filter einzusenden, um sie neu einfärben („redying“) zu lassen.

Wie das erneute Einfärben funktionieren sollte und ob dieser Weg erfolgreich sein würde, konnte ich mir erst mal überhaupt nicht vorstellen. Nach ein wenig Suche im Internet bin ich auf ein schönes Video von Mike Browne gestoßen, in dem der Herstellungsprozess der LEE-Filter genau erklärt wird.

Nachdem ich das Video gesehen hatte, war mir auch klar, wie das Einfärben funktioniert: Sie werden einfach nochmal in die „Brühe“ getaucht.

Nebenbei bemerkt: LEE ist einer der wenigen Hersteller, die noch Resin als Basismaterial für GND-Filter verwenden. Andere Hersteller sind dazu übergegangen, verschiedene Gläser zu verwenden. Die optischen Eigenschaften beider Materialien sind hervorragend. Was am Ende besser ist, weiß ich nicht, denn beide Materialien haben ihre Vor- und Nachteile: So ist Glas kratzfester, aber auch viel bruchempfindlicher. Als Landschaftsfotograf fallen einem die Filter ja nicht auf einen Teppich, sondern zwischen die Steine. Und da zerlegt es auch die modernen, angeblich unkaputtbaren Glasfilter. Andererseits lassen sich Glasfilter gut beschichten, so dass sie wasserabweisend und damit leichter zu reinigen sind.

Im Dialog mit LEE

Per Mail habe ich dann noch meinen Ansprechpartner bei LEE gefragt, ob sich durch das Einfärben an den optischen Eigenschaften der Filter, also der Gradation oder der Filterstärke, etwas ändern würde. Das wurde aber verneint.

Also verpackte ich die Filter gut und sandte sie zu LEE nach England. Es handelte sich um sechs GND-Filter: 0.6, 0.9 und 1.2 jeweils in soft und hard. Der Austauschprozess sollte etwa zwei Wochen dauern.

Überraschung!

Und jetzt kommt’s: Nach ein paar Tagen erhielt ich eine E-Mail, in der mir angekündigt wurde, dass meine sechs eingesandten Filter kostenfrei gegen neue Filter ausgetauscht würden und dass diese bereits auf dem Weg zu mir seien. Diese gute Nachricht machte mich erstmal sprachlos.

Die neuen Filter kamen nach ein paar Tagen an. Ich war sehr gespannt, aber aufgrund des Wetters dauerte es ein wenig, bis ich sie testen konnte.

Ein Vorher-Nachher-Vergleich war mir leider nicht möglich, da ich die alten Filter ja zu LEE geschickt hatte.

Und natürlich konnte ich die Situation, wie sie in der Bretagne vorgeherrscht hatte, zu Hause nicht exakt nachstellen. Der rosafarbene Stich trat meistens auf, wenn der Himmel leicht bedeckt war und sich die Sonne knapp außerhalb des Frames befunden hatte. Solch eine Situation passte ich ab und verbrachte dann eine längere Zeit auf dem Balkon, um die neuen Filter mit meinen Kameras (Fuji X-T2 und X-T3), verschiedenen Objektiven, Brennweiten und Blendenwerten zu testen. Insbesondere machte ich auch Langzeitbelichtungen in Kombination mit meinen ND-Filtern von Haida. Der LEE-Mitarbeiter, mit dem ich mich ausgetauscht hatte, vermutete nämlich anfangs, dass der Sensor der Fuji-Kameras empfindlicher gegen Infrarotlicht ist als andere Sensoren, was sich ja besonders bei Langzeitbelichtungen bemerkbar macht. Im übrigen veränderte ich beim Test auch die Position der Kamera relativ zur Sonne, so dass diese mal mehr, mal weniger nah an der Bildkante war. Im Ergebnis konnte ich nur bei zwei Bildern einen sehr schwachen Farbstich erkennen.

Der erste richtige Test der neuen Filter kam dann während einer Fototour nach Norwegen. Hier hatte ich alle erdenklichen Testbedingungen zur Verfügung. Ergebnis: Kein Farbstich! Weder bei Kurzzeit- noch bei Langzeitbelichtungen, weder mit, noch ohne gleichzeitig eingeschobenem ND-Filter.

Fazit

Im Ergebnis konnte ich feststellen, dass die neuen Filter nun sehr farbneutral sind. Einen schwachen rosafarbenen Stich konnte ich in Kombination mit Haida ND-Filtern nur einmal reproduzieren., ohne ND-Filter überhaupt nicht. Perfekt!

Für mich bedeutet das, dass ich bei LEE bleiben werde.

Mein Fazit: Wenn Ihr unzufrieden seid, sprecht die Hersteller an! Ihr spart Euch vielleicht eine Menge Geld und versetzt die Hersteller in Lage, ihre Produkte zu verbessern.

Weiterführende Links

Hier ein paar Links zu LEE-Filters:

Sonnenaufgang an der Bopparder Rheinschleife

Sonnenaufgang an der Bopparder Rheinschleife

Guten Morgen!

Schon länger hatte ich vor, den Sonnenaufgang an der Bopparder Rheinschleife zu fotografieren. Am letzten Wochenende war es dann so weit. Die Wetterbedingungen waren günstig und gemeinsam mit zwei Fotokollegen bin ich nach Boppard aufgebrochen.

Die Sonne sollte um 06.24 Uhr aufgehen, doch richtig interessant ist oft die Zeit vor Sonnenaufgang. Also waren wir bereits um kurz nach 05.00 Uhr vor Ort. Zuvor hatten wir uns die Nacht an der Burg Eltz um die Ohren gehauen, aber das ist eine andere Geschichte ;-)

Es war noch dunkel, als wir das Restaurant Gedeonseck erreichten, von dem aus man den sagenhaften Ausblick hat. Der Biergarten ist übrigens echt klasse, war aber leider um diese Zeit noch geschlossen.

Zur besseren Nachvollziehbarkeit der Bildentstehung habe ich die Bildbearbeitung ein wenig genauer beschrieben.

 

Das Fotomotiv und Aufnahmetechnik

Die Rheinschleife bei Boppard ist die größte Schleife des Rheins. Sie wird Bopparder Hamm genannt und nach ihr ist auch die relativ bekannte linksrheinische Weinlage benannt. Steht man oben am Rand des Biergartens, so hat man einen wunderbaren Blick über den Rhein und die rechtsrheinischen Orte Felsen und Osterspai und im rechten Bereich auf die Stadt Boppard. Der Blick geht nach Osten, also ist die Location mindestens eine hervorragende Sonnenaufgangslocation. Aber auch abends, besonders wenn der Herbst das Weinlaub bunt gefärbt hat, ist der Ort einen Ausflug wert.

Die Location schreit förmlich nach einem Panorama. Ein Blick auf die Karte verrät, dass diese einen Winkel von etwa 120 Grad umfassen sollte. Bei solchen Motiven bin ich dazu übergegangen, das Bild aus mehreren Einzelbildern zusammenzusetzen. Eine andere Variante ist ja die Verwendung eines Weitwinkelobjektivs mit entsprechend kurzer Brennweite. Mein Fuji XF10-24/4 deckt bei 10 Millimetern Brennweite einen Bildwinkel von gerade mal 110 Grad ab. Das wäre schon eng geworden. Zudem hätte ich am oberen und unteren Rand des Bildes einiges abschneiden müssen, um auf das „panoramagerechte“ Format von 2:1 zu kommen. Dabei hätte ich zu viel an Bildauflösung verloren.

Das Bild entstand dann gegen 06.20 Uhr kurz vor Sonnenaufgang. Ich machte mit Unterstützung meines Panoramakopfes insgesamt neun Aufnahmen mit folgenden Einstellungen:

  • Brennweite 16 mm
  • Blende 5.6
  • Belichtungszeit 0,4 Sekunden
  • ISO 200

Vorne am Objektiv reduzierte ein Reverse GND 0.6 Filter die hellen Bereiche links über dem Horizont ein wenig und sorge für eine ausgewogene Belichtung der Einzelbilder.

Für die Panoramaprofis unter den Lesern meines Blogs: Mein Panoramakopf ist selbstgebaut aus Novoflex-Teilen, die ich nicht mehr benötige, aber auch nicht hergeben mag:

  • Kameraplatte QPL1
  • Panoramaplatte PANORAMA=Q
  • Kameraplatte QPL4
  • Schnellwechselplatte Q=MOUNT

Diese Konstruktion reicht für meine Zwecke vollkommen aus.

Bildbearbeitung

Die Einzelbilder habe ich in Lightroom zunächst einmal auf dieselbe Farbtemperatur von 5600 Kelvin gebracht, weil ich bei der Aufnahme vergessen hatte, von Automatischem Weißabgleich auf eine feste Farbtemperatur umzustellen. Aber bei RAW-Bildern ist so eine Korrektur ja zum Glück hinterher noch problem- und verlustlos möglich.

Danach hat Lightroom für mich die Bilder zu einem zylindrischen Panorama zusammengerechnet.

Die nächsten Schritte waren:

  1. Entfernen eines Kondensstreifens im linken oberen Bereich des Bildes mit dem Bereichsreparaturwerkzeug
  2. Anpassen der Grundeinstellungen des Bildes
  3. Betonung des Himmels und der Wolken mit dem Verlaufsfilter
  4. Beschneiden auf das Endformat von 2:1

Die Grundeinstellungen des Bildes passte ich in Lightroom wie folgt an:

  • Farbtemperatur 9600 Kelvin
  • Tönung +15 (Richtung Violett)
  • Belichtung -0,5
  • Lichter +4
  • Tiefen +20
  • Weiß +10
  • Schwarz 0
  • Klarheit +20
  • Dunst entfernen +15
  • Dynamik +23
  • Sättigung +9

Zusätzlich legte ich zur weiteren Anhebung des Kontrastes eine leichte S-förmige Gradationskurve auf das Bild.

Der Himmel gefiel mir schon sehr gut, doch ich wollte die Wolken noch stärker betonen. Dazu legte ich einen Verlaufsfilter in den Himmel der am Horizont mit einem relativ harten Übergang Ende und stellte darin folgende Werte ein:

  • Temperatur -34
  • Belichtung +0,5
  • Klarheit +30
  • Dunst entfernen +11

Das Bild ist weder geschärft noch entrauscht.

Fazit

Hier ist mit wenig Aufwand ein sehr schönes Landschaftspanorama vom Sonnenaufgang an der Bopparder Rheinschleife entstanden. Die vor Ort vorherrschende Stimmung konnte ich einfangen und durch die Bildbearbeitung noch besser herausarbeiten, ohne gleich einen Farbeimer über dem Bild auszukippen.

Das Endergebnis hat eine Auflösung von etwa 53 Megapixeln und ist damit auch für sehr große Ausdrucke geeignet. Es macht Spaß, hineinzuzoomen und sich die vielen Details anzusehen. Mit einem Einzelbild wäre das nur mit einer Kamera mit einem wesentlich hochauflösenderen Sensor möglich gewesen.

Ach ja: Strenggenommen müsste der Artikel heißen „Kurz vor Sonnenaufgang an der Bopparder Rheinschleife“ :-)

 

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Akku-Vodoo: Akku-Management leicht gemacht

Akku-Vodoo: Akku-Management leicht gemacht

Stromhunger!

Unsere Digitalkameras verbrauchen Strom, den wir Ihnen über einen Akku zur Verfügung stellen. Spiegellose Systemkameras haben dabei einen größeren Stromhunger als digitale Spiegelreflexkameras. Die Ursache dafür ist, dass bei spiegellosen Systemen der Sensor ständig in Betrieb sein muss, damit im elektronischen Sucher ein Bild erzeugt werden kann. Spiegellose Kameras sind in aller Regel auch kompakter als DSLRs und demzufolge sind deren Akkus kleiner und haben weniger Kapazität. Es ist also bei allen Digitalkameras, aber insbesondere bei spiegellosen Systemkameras sehr wichtig, immer einen oder mehrere geladen Ersatzakkus dabeizuhaben.

Akku-Vodoo: Akku-Management leicht gemacht

Voll oder leer?

Während einer Autofahrt habe ich kürzlich in einem Foto-Podcast von verschiedenen  Methoden gehört, wie man Akkus transportieren und dabei den Überblick über geladene und leere Exemplare behalten kann. Einige Methoden hörten klangen ein wenig wie Akku-Voodoo. Ein Fotograf stellt sich zum Beispiel auf einem 3D-Drucker verschiedenfarbige Kappen her. Diese steckt er auf volle bzw. entladene Akkus, um diese voneinander unterscheiden zu können. Andere Kollegen arbeiten mit „sehr speziellen Spezialbehältnissen“, bedruckten Einlegekarten, beschrifteten Ziplock-Beuteln und vielem mehr.

Akkupflege ist wichtig und ohne genügend Reservestrom ist man auf einer Fototour schnell aufgeschmissen. Ich will das Thema deshalb gar nicht ins Lächerliche ziehen, aber manche der beschriebenen Methoden halte ich für völlig übertrieben.

So, bin ich jetzt nur am lästern, oder habe ich auch eine Methode vorzuweisen? Und falls ja, wie sieht die aus? Und ist sie einfacher als die oben erwähnten?

Meine Methode

Was ist wichtig:

  1. Schnelle, idealerweise auch haptische Unterscheidung von vollen und entladenen Akkus
  2. Alle Akkus an einem Platz, einfache Verstaumöglichkeit
  3. Gleichmäßiger Einsatz aller Akkus

Die Akkus vom Typ NP-W126 meiner Fuji X-T2 sind quaderförmig und haben an einem Ende vier Kontakte. Diese Kontakte sind leicht vertieft in die Oberfläche des Akkugehäuses eingelassen. Man kann sie also gut sehen und im Dunkeln auch erfühlen.

Akku-Vodoo: Akku-Management leicht gemacht

Die Akkus verstaue ich in einer Akkutasche, und zwar im ThinkTank DSLR Battery Holder, der vier Akkus aufnimmt. Keine Sorge wegen des Namens, es passen sowohl DSLR- als auch DSLM-Akkus hinein. Ich habe die Tasche auch schon benutzt, als ich noch mit der Nikon D810 (Akku EN-EL15) fotografiert habe. Die Tasche ist aus stabilem, aber weichem Nylonstoff und wird mit einem Klettverschluss verschlossen. Das Fassungsvermögen ist genau richtig für mich, da ich zufällig auch immer vier Ersatzakkus dabei habe.

Akku-Vodoo: Akku-Management leicht gemacht

Akku-Vodoo: Akku-Management leicht gemacht

Meine Akkus habe ich nummeriert (s. erstes Bild) und setze sie immer entsprechend dieser Nummerierung ein. So stelle ich sicher, dass sie gleichmäßig belastet bzw. abgenutzt werden.

Zum Transport packe ich die voll geladenen Akkus in der Reihenfolge ihrer Nummerierung in die kleine ThinkTank-Tasche, und zwar so, dass die Kontakte der Akkus nach unten ins Innere der Tasche zeigen, also nicht sichtbar sind.

Wenn ich einen Akku wechsle, nehme ich den mit der nächsten Nummer heraus und stecke ihn in die Kamera. Den entladenen Akku stecke ich an den freien Platz in der Akkutasche, diesmal aber mit den Kontakten nach oben.

Beim nächsten leeren Akku mache ich es genauso, und so weiter… Die Akkutasche füllt sich dann mit Akkus, deren Kontakte sichtbar sind. So kann ich mit einem Blick die vollen von den leeren Akkus unterscheiden. Und bei Dunkelheit kann ich die leeren Akkus anhand der obliegenden Kontakte erfühlen.

Akku-Vodoo: Akku-Management leicht gemacht

Akku-Vodoo: Akku-Management leicht gemacht

Das ist mein einfaches System, um meine Akkus managen (was für ein Wort in diesem Kontext…).

Nebenbei: In der Diskussion über Akkus taucht immer wieder die Frage auf, ob man besser zum Originalakku greift oder ob es ein Fremdakku auch tut. Seit vielen Jahren benutze ich die mit den Kameras gelieferten Originalakkus und darüber hinaus Fremdakkus des Herstellers Pantona. Diese haben mich noch nie enttäuscht, weder bzgl. der Kapazität, der Haltbarkeit oder des Temperaturverhaltens.

Wie behaltet Ihr den Überblick über Eure Akkus? Schreibt es in die Kommentare!

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So fotografierst Du die Milchstrasse

So fotografierst Du die Milchstrasse

Brigitte-Diät und Men’s Health? Milchstrasse!

Jedes Jahr im Winter locken diese beiden Zeitschriften mit Fitness- und Diät-Tipps, den schlaffen Körper rechtzeitig vor der nächsten Badesaison wieder in Form zu bringen. Wir Fotografen (und Fotografinnen) haben dagegen im Winter Zeit, uns auf die nächste Milchstraßensaison vorzubereiten. Denn wenn die Milchstrasse ab Februar wieder über unserer Lieblingslocation steht, ist es zu spät zum üben. Also ran ans Werk!

Nach meinem ersten Artikel zum Thema Milchstraße im letzten Jahr (Link am Ende des Artikels) hat sich einiges getan. Ich habe neue Bilder gemacht, neue Erfahrungen gewonnen und bin auf ein neues Kamerasystem umgestiegen. Zeit also, die Fotografie der Milchstraße nochmal zu überarbeiten.

Aber der Reihe nach…

Die Milchstrasse zu fotografieren ist nicht schwierig, wenn die Bedingungen stimmen, Du Dich ein wenig vorbereitest und den Umgang mit der Fotoausrüstung bei Nacht übst. Auf folgende Themen werde ich deshalb genauer eingehen:

  • Wetter
  • Mondphase
  • Position der Milchstraße
  • Lichtverschmutzung
  • Passende Fotoausrüstung
  • Kameraeinstellungen

Wetter

Wie schon beschrieben muss das Wetter passen. Für die Fotografie der Milchstrasse bedeutet das im Wesentlichen, dass der Himmel frei sein muss. Dazu schaust Du Dir am besten passende Satellitenbilder an. Aus ihnen kannst Du den Gesamtbedeckungsgrad des Himmels zu dem Zeitpunkt ablesen, an dem Du Dein Bild machen möchtest.

Ein gute Quelle ist die Wetterzentrale (Link am Ende des Artikels). Dort wählst Du unter „Top-Karten“ das „WRF-Wettermodell“ aus. Nun erscheint eine neue Seite, auf der Du links alle möglichen Parameter wählen kannst. Klicke hier auf „Gesamtbedeckungsgrad“. Es wird ein Satellitenbild eingeblendet, an dessen oberem linken Rand Du Text wie z.B. „Init: Mon,13NOV2017 00Z“ lesen kannst. Das ist das Erstellungsdatum und -zeitpunkt der Karte. Sie wurde am Montag, 13. November um 00.00 Uhr errechnet.

Wenn Du nun zum Beispiel wissen willst, welche Gesamtbedeckung des Himmels am 13. November um 12.00 Uhr herrscht, klickst Du in der farbig hinterlegten Zeile direkt über der Karte auf die Zahl 12. Damit lässt Du Dir die Vorschau des Satellitenbildes 12 Stunden nach Erstellung der Karte anzeigen, also in diesem Fall also um 12.00 Uhr. Zur Kontrolle kannst Du den Gültigkeitszeitpunkt auf der Karte oben rechts ablesen. in unserem Beispielbild steht hier „Valid: Mon,13NOV2017 12Z“. Das ist genau der Zeitpunkt, an dem wir uns für das Wetter interessieren.

Bitte beachte, dass die Zeit auf den Wetterkarten in UTC-Zeit angegeben ist, dafür steht das „Z“. Für unsere mitteleuropäische Winterzeit (MEZ) ist zur angegebenen Zeit eine Stunde, für die Sommerzeit (MESZ) sind zwei Stunden dazuzurechnen.

  • Winterzeit (MEZ) = UTC + 1
  • Sommerzeit (MESZ) = UTC + 2

Wenn Du also im Winter um 22.00 Uhr fotografieren willst, musst Dir die Wetterkarte für 21.00 Uhr ansehen.

Und wenn Du mehr über das Wetter wissen willst, lege ich Dir das hervorragende Buch „Fotografieren mit Wind und Wetter“ von Bastian Werner ans Herz. Den Link findest Du am Ende des Artikels.

Nun braucht es noch etwas Übung, um auf der Karte den Punkt zu finden, an dem Du fotografieren wirst. Vor allem bei stark bedecktem Himmel sind die Ländergrenzen auf der Karte oft nicht zu sehen. Aber durch hin- und herschalten zwischen den einzelnen Vorschauen und Vergleich mit z.B. einer Google-Maps-Karte kommt man mit etwas Übung schnell zum Ziel.

Mondphase

Die zweite Aufgabenstellung ist es, zu ermitteln, welche Mondphase herrscht und falls gerade kein Neumond ist, wo und wann der Mond auf- bzw. untergeht. Diese Informationen sind wichtig, da der Mond auf Grund seiner Helligkeit die Sichtbarkeit der Sterne stark einschränken kann. Wenn also kein Neumond ist, kannst Du die Sterne trotzdem fotografieren, sofern der Mond noch nicht auf- oder schon untergegangen ist oder er sehr tief steht. Andererseits kann der Mond helfen, die Landschaft im Bild etwas aufzuhellen.

Die Position sowie die Auf- und Untergangszeiten des Mondes ermittelst Du zum Beispiel mit der App TPE (The Photographer’s Ephemeris) oder mit PhotoPills. Links zu beiden Apps findest Du am Ende des Artikels.

Position der Milchstrasse

Nun ist noch die Kenntnis der Position der Milchstrasse wichtig. Insbesondere das sogenannte galaktische Zentrum ist interessant, da es am hellsten ist und die interessantesten Strukturen enthält. Auch hier helfen wieder die oben genannten Apps. Die Apps sind intuitiv bedienbar, mit ein wenig ausprobieren kommst Du schnell zum Ziel. Oder lies Dir den hervorragenden Blogartikel vom Michael Lauer durch (Link siehe unten). Ich selbst arbeite seit Jahren mit TPE. Falls Du dazu eine Frage hast, freue ich mich über eine E-Mail oder einen Kommentar.

Lichtverschmutzung

Unter Lichtverschmutzung versteht man die Tatsache, dass die Nächte durch die zunehmende und immer stärkere künstliche Beleuchtung von Städten und Straßen nicht mehr richtig dunkel werden. Je näher und größer die nächste Ortschaft, desto heller die Nacht. Für die Tierwelt ist das eine schädliche Entwicklung, da der natürliche Tag-Nacht-Rhythmus gestört wird. Uns Fotografen stört die Lichtverschmutzung, weil sie uns den Blick auf die Sterne erschwert.

Was kann man dagegen tun? Zunächst hilft es, weiten Abstand von künstlicher Beleuchtung zu halten. Darunter verstehe ich durchaus Entfernungen von 20 bis 30 Kilometern. Aber auch einzelne starke Lichtquellen können ein Bild kaputt machen.

Daneben gibt es Filter, die unter Namen wie „Natural-Night“ oder „Clear-Night“ verkauft werden. Sie sollen die störenden Anteile im Lichtspektrum entfernen. Obwohl ich diese Filter bisher nicht getestet habe, bin ich ein wenig skeptisch. Auf den Webseiten der Hersteller klingt das in der Theorie recht vielversprechend, aber die Vorher-Nachher-Bilder zeigen immer nur eine Farbverschiebung, nicht aber eine bessere Sicht auf die Sterne. Falls Du Erfahrungen mit diesen Filtern gemacht hast, würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen!

Bei der Ermittlung einer passenden Location mit möglichst wenig Lichtverschmutzung hilft auch wieder die App TPE. Wie das geht, kannst Du ebenfalls im Artikel von Michael Lauer nachlesen.

Spannend ist es nun, alle Parameter mit einer geeigneten Location so zu kombinieren, dass am Ende ein gutes Bild herauskommt. Natürlich gehört auch ein wenig Glück dazu. Aber mit dem Handwerkszeug, dass ich Dir gezeigt habe, reduzierst Du die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschlages ganz erheblich. Denn nichts ist frustrierender, als nachts an einer tollen Location zu stehen und festzustellen, dass der Himmel mit dichten Wolken verhangen ist oder die nahe Stadt die Sicht auf die Sterne stark einschränkt.

Fotoausrüstung

Welche Fotoausrüstung ist nun erforderlich, um die die Milchstrasse zu fotografieren? Dazu vergegenwärtigen wir uns am besten nochmal, welche Bedingungen vorherrschen und leiten davon die Anforderungen an die Ausrüstung ab:

  • Es ist Nacht, wir haben lange Belichtungszeiten, also brauchen wir ein Stativ. Untrennbar mit dem Stativ verbunden ist ein Fernauslöser. Das muss kein Super-Duper-Funk-Timer sein, ein einfacher Fernauslöser reicht.
  • Die Erde bewegt sich auf ihrem Weg um die Sonne, während die Sterne am Himmel stillstehen. Das bedeutet, dass trotz der Dunkelheit die Verschlußzeit nicht allzu lang werden darf, damit die Sterne als Punkte, nicht als Striche abgebildet werden. Also muss ein möglichst lichtstarkes Objektiv her.
  • Das Sichtfeld bzw. der Bildwinkel ist recht groß, da wir neben einem geeigneten Vordergrund auch möglichst viel vom Himmel, also von der Milchstrasse aufs Bild bekommen wollen. Daher sollte unser Objektiv eine kurze Brennweite haben.
  • Zu guter Letzt sollte es die Kamera ermöglichen, bei hohen ISO-Werten um die ISO 1600 noch ausreichend rauschfreie Bilder zu erzeugen.

Meine Ausrüstung für diesen Einsatzzweck sieht so aus:

  • Kamera: Fuji X-T2
  • Objektiv: Samyang 12/2.0
  • Stativ
  • Einfacher Fernauslöser

Kameraeinstellungen

Ob Du nun im Hoch- oder im Querformat fotografierst hängt vom Motiv und von den persönlichen Vorlieben ab. Ich mache meistens sowohl ein Hoch- als auch ein Querformatbild.

Die größte Herausforderung ist es wahrscheinlich, das Objektiv scharfzustellen. Moderne Objektive haben weder bei „Unendlich“ noch am nahen Ende einen Anschlag am Fokussierring, oder „Unendlich“ befindet sich nicht am Anschlag, sondern ein kleines Stück davor. So verhält es sich bei meinem Samyang-Objektiv. Wenn man vor Ort keinen weit entfernten Lichtpunkt, wie zum Beispiel eine Straßenlaterne hat, auf den man scharfstellen kann, wird es schwierig. Du kannst Dir helfen, indem Du am Tag auf einen weiten Punkt scharfstellst und Dir dann die Position des Fokussierrings merkst und am Objektiv kennzeichnest. Oder Du gehst auf Nummer sicher und fixierst den Fokussierung mit einem Klebestreifen in der richtigen Position. Ich habe an dem Samyang-Objektiv mit einem wasserfesten Stift einen kleinen Strich angebracht, den ich auch nachts mit der Stirnlampe erkennen kann.

Das erste Bild machte ich immer mit Offenblende und einer Belichtungszeit von 20 Sekunden. Die Empfindlichkeit stelle ich auf ISO 800. Dann mache ich ein erstes Testbild.

Wichtig für die Belichtungskontrolle: Im Dunkeln erscheint das Bild auf dem Kameradisplay immer wesentlich heller, als es sich dann später auf dem Monitor am heimischen Schreibtisch zeigt. Auch das Histogramm hilft hier nur bedingt. Nach meiner Erfahrung ist die einzige Lösung, seine Kamera zu kennen, die Displayhelligkeit zu reduzieren und mehrere Bilder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und ISO-Einstellungen zu machen. Beim Variieren der Parameter versuche ich immer, zuerst die Belichtungszeit zu reduzieren, um sicher keine Bewegungsspuren der Sterne zu produzieren.

Des weiteren deaktiviere ich an meiner Kamera die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung. Das Rauschen kannst Du je nach Kamera hinterher in der Bildbearbeitung meist ebensogut reduzieren. So musst Du an der Location zwischen den Bildern nicht so lange warten.

Die ideale Verschlusszeit

Wie lange ist nun die ideale Verschlusszeit? Hier gibt es eine einfache Faustregel für die Verschlußzeit, bei der die Sterne noch nicht als Striche abgebildet werden:

  • Vollformat: 500/Brennweite
  • APS-C: 300/Brennweite

Bei Vollformat und 14mm Brennweite kommt man damit auf knapp 36 Sekunden, bei APS-C und 12mm beträgt die maximale Verschlußzeit 25 Sekunden. Mit meiner Fuji X-T2, einer APS-C Kamera und dem Samyang 12/2.0 bin ich deshalb mit einer „Startzeit“ von 20 Sekunden weit im grünen Bereich.

Weitere Tipps

Wichtig ist mir noch der Hinweis, nicht in die Motivstarre zu verfallen. Was meine ich damit? Ganz einfach: Auch wenn des Nachts alles ein wenig umständlicher ist, lohnt es sich doch, vom Hoch- ins Querformat zu wechseln, verschiedene Brennweiten zu benutzen, mit der Verschlußzeit und dem ISO-Wert zu spielen oder auch den Standort zu wechseln. So läßt sich die Ausbeute ein wenig steigern und man bleibt in Bewegung.

Je nach Location kann es auch sinnvoll sein, zwei Aufnahmen zu machen: Eine für den Himmel und eine für die Landschaft. Den Himmel belichtest Du wie vorhin gelernt und für die Landschaft machst Du eine Langzeitbelichtung mit niedrigem ISO-Wert um das Rauschen zu reduzieren. Beide Bilder legst Du dann in der Bildbearbeitung übereinander und maskiert im „Himmel-Bild“ den Vordergrund bzw. im „Vordergrund-Bild“ den Himmel aus.

So, das war die Beschreibung, wie Du zu guten Bildern des Nachthimmels und der Milchstraße kommst. Was ist noch wichtig? Ach ja: Sei vertraut mit Deiner Ausrüstung und lerne, Deine Kamera blind zu bedienen. Das sind zwar keine zwingenden Voraussetzungen für die Nachtfotografie, aber Sie erleichtern Deine nächtlichen Fotoabenteuer ganz erheblich. Und vergiss nicht, warme Klamotten und eine Brotzeit mitzunehmen! :-)

Weiterführende Links

Meine Fotoausrüstung für die Nacht

  • Fuji X-T2: Meine kleine geniale APS-C-Kamera*
  • Samyang 12/2: Ein günstiges aber hervorragend Weitwinkelobjektiv mit vernachlässigbar geringen Bildfehlern *
  • Fernauslöser: Hier tut es jeder einfach NoName-Auslöser. Aber je billiger er ist, desto wichtiger ist es, einen Ersatz dabeizuhaben* ;-)

* Bei den Links handelt es sich um sog. Affiliate-Links: Wenn Du einen Link klickst, wirst Du zu Amazon weitergeleitet, wo Du den vorgestellten Gegenstand direkt kaufen können. Ich bekomme dafür von Amazon eine kleine Provision, aber der Artikel verteuert sich für Dich dadurch nicht. Durch Deinen Klick unterstützt Du mich bei der Weiterentwicklung dieser Website. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich bei Dir! 🙂

Erfahrungsbericht Fuji XF16/1.4WR

Erfahrungsbericht Fuji XF16/1.4WR

Eine Festbrennweite?

Das Fuji XF16/1.4WR entspricht im Vollformat einem 24er und damit meiner Lieblingsbrennweite. Lieblingsbrennweite? Ok, es ist sicherlich nicht angebracht, in der Fotografie von einer Lieblingsbrennweite zu sprechen. Ein Handwerker wählt die Werkzeuge ja auch entsprechend der Aufgabe und bezeichnet nicht zum Beispiel einen Hammer als sein Lieblingswerkzeug. Aber diese Brennweite liegt mir einfach und sie passt auf sehr viele meiner Anwendungsfälle.

Das Fuji XF16/1.4WR gehört zur neueren Klasse der Fujinon-Objektive, es ist wetterfest („WR“) und man kann es am Blendenring über die Stellung „A“ in den Blendenautomatik-Modus versetzen.

Bauweise des Fuji XF16/1.4WR

Wie alle XF-Objektive ist auch dieses Modell komplett aus Metall gebaut. Es liegt gut und schwer in der Hand. Trotzdem besteht an der Fuji X-T2 eine gute Balance zwischen Größe und Gewicht. Die Kamera läßt sich auch ohne Batteriegriff mit montiertem Fuji XF16/1.4WR gut halten und wirkt noch nicht kopflastig.

Das Objektiv besitzt ein 67er Filtergewinde und wird mit einer tulpenförmigen Streulichtblende aus Kunststoff geliefert.

 

Haptik des Fuji XF16/1.4WR

Neben einem Blendenring, der in Drittelstufen einrastet, besitzt das Fuji XF16/1.4WR als weiteres Bedienelement lediglich den Fokussierring. Dieser kann arretiert werden, indem man ihn nach vorne schiebt. Er rastet dann leicht ein und bietet der linken Hand einen sicheren Halt ohne die Gefahr, die eingestellte Entfernung zu verstellen. Zieht man den Ring zurück, kann man manuell fokussieren. Der Drehwinkel von der Nah- bis zu Unendlich-Einstellung beträgt etwa 160 Grad. Während mir die Rastungen des Blendenrings etwas zu weich sind, lässt sich der Fokussierring mit so viel Kraft drehen, wie man es von alten manuellen Objektiven gewohnt ist. Er sitzt nicht zu fest und nicht zu locker, einfach perfekt. Beim Blendenring besteht durch die nicht ganz so ausgeprägte Rastung dagegen die Gefahr, dass man ihn unbeabsichtigt verstellt. Mir ist das vor allem im Winter mit Handschuhen öfter mal passiert.

Fokussieren

Der Autofokus ist an der Fuji X-T2 sehr schnell und treffsicher, auch unter mäßigen Lichtverhältnissen. Das manuelle Fokussieren geht insbesondere mit den Fokussierhilfen der X-T2 sehr leicht von der Hand.

 

Bildqualität

Ich mag Bilder mit knapper Schärfentiefe. Auch das war ein Grund für den Kauf des Fuji XF16/1.4WR mit seiner hohen Lichtstärke. Insbesondere zur blauen Stunde oder Nachts gehe ich gerne los und mache Streetfotos und Detailaufnahmen, bei denen im Hintergrund Lichtquellen als große bunte Kreise erscheinen. Das Bokeh des Objektivs ist sehr schön. Lichtquellen werden nahezu rund und gleichmäßig abgebildet. Am äußeren Bildrand werden sie leicht oval. Der Effekt verstärkt sich, je weiter man abblendet. Aber ich habe mir das Objektiv ja nicht gekauft, um es abzublenden…

Zur Astrofotografie ist das Fuji XF16/1.4WR trotz der kurzen Brennweite und der hohen Lichtstärke dagegen leider nur bedingt geeignet, da punktförmige Lichtquellen – Sterne – bei Offenblende in den Bildecken mit einem deutlich sichtbaren Coma abgebildet werden. Blendet man auf 2 oder 2.8 ab, verschwindet der Bildfehler fast gänzlich. Aber um Sterne als Punkte und nicht als kurze Striche abzubilden, benötigt man kurze Verschlußzeiten. Um diese bei nicht allzu hohen ISO-Werten zu erreichen, muss die Blende eben weit geöffnet werden. Und genau das ist hier nicht ohne Bildfehler möglich. Schade… Daher habe ich mir für die Astrofotografie das günstige und sehr gute Samyang 12/2.0 NCS angeschafft.

Fazit zum Fuji XF16/1.4WR

Trotz des kleinen Wermutstropfens macht das XF16/1.4WR viel Spaß und liefert eine hervorragende Bildqualität. Freunde von Festbrennweiten sollten sich das Objektiv näher ansehen. Auf Grund des hohen Preises ist es aber ratsam, eine Fuji-Cashback-Aktion abzuwarten, wenn man es mit der Anschaffung nicht allzu eilig hat.

UPDATE: Warum ich von Nikon zu Fuji gewechselt habe

UPDATE: Warum ich von Nikon zu Fuji gewechselt habe

UPDATE 27.02.108: Seit der Veröffentlichung des Artikels hat sich einiges getan. ich habe den Artikel deshalb auf den neuesten Stand gebracht. Die Änderungen habe ich direkt im Text vorgenommen.

In den letzten Monaten sind mir viele Berichte aufgefallen, in denen Fotografen beschreiben, warum sie von einer DSLR auf ein spiegelloses System wechseln. Die Fotobörsen sind voll von Anzeigen, die die Überschrift tragen „Wegen Systemwechsel zu verkaufen“. Und meist sind es DSLR-Ausrüstungen, die angeboten werden. Auch viele meiner Bekannten stellen sich die Frage „Should I stay or should I go?“

Mit diesem Artikel möchte ich meine Beweggründe für den Systemwechsel beschreiben. Vielleicht kann ich damit die eine oder andere Entscheidung unterstützen.

Systemwechsel? Warum will ich überhaupt wechseln?

Ich bin „hobbymäßiger“ Landschafts- und Naturfotograf. In den letzten beiden Jahren ist meine Ausrüstung auf einen professionellen Umfang angewachsen. Ich habe alles, was man braucht, um hervorragende Bilder zu machen – ausser vielleicht unendlich viel Zeit, aber das ist ein anderes Problem. Mein Rucksack ist nur mit dem Fotozeug bepackt gute neun Kilogramm schwer. Dazu kommt dann noch das Stativ. Für eine explizite Fototour ist das ja ok, aber in den letzten Monaten passierte es immer häufiger, dass ich trotz guter Bedingungen (Wetter, freie Zeit…) einfach keine Lust hatte, das schwere Fotozeug durch die Gegend zu tragen. Und auch unterwegs war ich es manchmal leid, den Rucksack zum Objektivwechsel abzunehmen, aufzumachen… Aber andererseits, will ich wirklich einen Systemwechsel wagen?

Nur zu faul, um den Fotorucksack zu schleppen?

In der Konsequenz fotografierte ich weniger oder nur noch an Stellen, die bequem mit dem Auto zu erreichen waren. Das konnte ja nicht sein! Die Fotografie liegt mir viel zu sehr am Herzen, als dass ich sie wegen einer zu schweren Fotoausrüstung vernachlässigen wollte. Also begann ich, über einen Systemwechsel nachzudenken. Aber wohin? Welcher Hersteller hat eine Systemkamera, die der Nikon D810 ebenbürtig ist? Wahrscheinlich keiner. Aber die Frage war, brauche ich wirklich eine D810 oder kann ich meine Bilder auch mit einer Kamera machen, die „nur“ einen APS-C Sensor hat?

Einige meiner Bekannten, die zum Teil auch Geld mit der Landschaftsfotografie verdienen, haben es vorgemacht: Sie wechselten von Nikon oder Canon zu Fuji und haben es keine Sekunde bereut. Die Gründe waren immer dieselben: Die Vollformatausrüstung war zu schwer und sperrig und der eine oder andere fühlte sich von den großen Herstellern, also Canon und Nikon, im Stich gelassen, da deren Kameras und Objektive zwar immer teurer (und auch besser) wurden, aber in Sachen Innovationsfreude hinter den Herausforderern wie z.B. Fuji, Olympus oder Sony zurückblieben.

Wachablösung?

Vollzieht sich hier gerade eine Wachablösung wie im Bereich der Mobiltelefone vor einigen Jahren? Erinnern wir uns: Ein Computerhersteller namens Apple brachte ein Mobiltelefon namens iPhone heraus und fegte damit die etablierten Handyhersteller wie Siemens, Ericsson und Nokia vom Markt! Ich weiß nicht, aber für mich sieht es im Kamerasektor ähnlich aus, wenngleich die Veränderung hier ein wenig langsamer abläuft. Die etablierten Hersteller sind ohne Phantasie und die Herausforderer sprühen vor neuen Ideen.

Nikon hat zur Photokina 2016 eine Actioncam vorgestellt – eine Actioncam! Und Canon eine ziemlich überteuerte DSLR namens 5D Mark IV. Bin gespannt, ob sich in diesem Jahr, dem Jahr des hundersten Geburtstages der Firma Nikon, etwas mehr tut. Es würde mich sehr freuen!

Also, nach mehr als 25 Jahren Nikon heißt es nun, teilweise Abschied nehmen und einen Systemwechsel machen: Es muss kleiner und leichter werden, aber die Qualität darf nicht wesentlich nachlassen. Dann habe ich die Chance, dass es mir wieder Spaß macht, meine Fotosachen durch die Gegend zu tragen.

Systemwechsel Fuji X-T2

Warum zu Fuji wechseln?

Schon seit knapp drei Jahren nutze ich eine Fuji X-E2. Immer nur nebenbei, auf Dienstreisen, auf dem Weg zur Arbeit und auf Spaziergängen mit der Familie. Die Qualität, d.h. die Materialien, Verarbeitung, Haptik sowie die technischen Möglichkeiten und schließlich die Qualität der Ergebnisse sind brillant. Aber die X-E2 ist natürlich kein DSLR-Ersatz, nicht mal meiner Nikon D700 konnte sie damals Jahren Konkurrenz machen.

Trotzdem hatte ich mit irgendeinen Virus eingefangen: Ich habe weiterhin alle möglichen Testberichte von Fuji-Kameras und -Objektiven studiert, habe Podcasts angehört, mit Bekannten gesprochen, die den Umstieg bereits hinter sich haben. Und auf der Photokina 2016 konnte ich dann die Fuji X-T2 mit dem XF16-55/2.8 ansehen und ausgiebig testen.

Die Fuji X-T2

Bäääm! Das wars… Fuji gibt mir mit der X-T2 einen Nachfolger für meine D810, der ihr zwar nicht in allen technischen Daten ebenbürtig ist, dessen Bedienung und technische Möglichkeiten aber über das hinausgehen, was die Nikon bietet. Das Objektivprogramm von Fuji kann sich ebenfalls sehen lassen. Es finden sich dort fast (UPDATE) alle Objektive, die ich benötige, allerdings weniger schwer und auch nicht ganz so teuer, aber in hervorragender Qualität, sowohl optisch als auch mechanisch.

Die Qualität der Bilder

Diese Frage plagte mich natürlich ganz besonders. Werde ich mit den Fuji-Bildern zufrieden sein? Nach etwa vier Wochen Test kann ich das eindeutig bestätigen: Schon die Bildqualität out of cam ist hervorragend. Bei vielen Bildern mag ich in Lightroom gar nicht mehr groß an den Reglern drehen, so gut gefallen sie mir. Einzig das Schärfen muss ich nun etwas anders angehen. Die alten Rezepte sind nicht  mehr anwendbar, da vor dem Sensor der Fuji-Kameras keine Bayer- sondern eine sogenannte X-Trans-Matrix sitzt. Hierzu gibt es aber vielfältige Hilfe im Internet, so dass auch dieser Punkt nach kurzer Umgewöhnung kein Problem mehr darstellt.

UPDATE: Bei Bildern, die viele kleine Details wie Gräser, Äste oder Blätter enthalten, verwende ich als Ergänzung zu Lightroom den Iridient X-Transformer, um die RAWs zu entwickeln. Der X-Transformer stellt die Details sauberer dar als Lightroom.

Systemwechsel Fuji X-T2

Und jetzt?

Jetzt gehe ich wieder fotografieren, was das Zeug hält :-) Es macht Spaß, die X-T2 zu benutzen, da sie fast intuitiv bedienbar ist. Nur ein Beispiel: An der Oberseite der Kamera befinden sich u.a. Wahlräder zum Einstellen von ISO-Wert und Verschlußzeit. Neben den einzelnen Werten kann man noch auf „A“ stellen. Jedes Objektiv hat einen Blendenring. Auch am Blendenring kann man „A“ einstellen. Will ich mit Zeitautomatik fotografieren, stelle ich das Zeitenwahlrad auf „A“ und regle die Belichtung über Blende und ISO. Will ich mit Blendenautomatik fotografieren, stelle ich den Blendenring auf „A“ und variiere Zeit und ISO. Will ich ausnahmsweise vollautomatisch fotografieren, stelle alle drei Wahlräder auf „A“. Einfacher gehts nicht mehr, oder?

Ich habe momentan folgendes im Rucksack:

  • Kamera Fuji X-T2
  • Objektiv XF16/1.4 (je nach Bedarf)
  • Objektiv XF10-24/4
  • Objektiv XF16-55/2.8
  • Objektiv XF50-140/2.8
  • Filtersatz
  • Fernauslöser
  • Akkus und Putzzeug

Ich habe nicht das Gefühl, dass mir irgendetwas fehlt. Und das Gewicht des Rucksackes liegt nach dem Systemwechsel deutlich unter dem, was meine Nikon-Ausrüstung gewogen hat. Nur das stabile Stativ (Gitzo GT3542) werde ich weiter benutzen, da es der Qualität meiner Bilder ausgesprochen guttut.

Fehlt mir irgendetwas an der Fuji X-T2?

Klar! Auch bei Fuji ist nicht alles Gold, was glänzt. Ein paar Funktionen fehlen mir an der X-T2 sehr wohl. Einige davon vermisse ich von der Nikon, andere wären sinnvolle Weiterentwicklungen von Features, die die Fuji X-T2 schon eingebaut hat:

  1. Das Live-Histogramm, mit dem ich als Landschaftsfotograf sehr viel arbeite, ist sehr klein und die rechte und linke Grenze des Histogramms sind nicht gekennzeichnet. Damit ist es für manchmal schwierig, eine Über- oder Unterbelichtung festzustellen.
  2. Schön wäre es darüber hinaus, wenn man die drei Farbkanäle des Histogramms einzeln betrachten könnte. Update: Erledigt mit Firmware Version 3.00
  3. Eine Überbelichtungswarnung im View-Modus, idealerweise auch im EVF und LCD wäre hilfreich. Wie bei Nikon könnten überbelichtete Bildteile farblich gekennzeichnet sein. Update: Erledigt mit Firmware Version 3.00
  4. Zur Kontrolle des Schärfentiefe nutze ich immer die Vergrößerung des Livebildes. Schade, dass man in der vergrößerten Ansicht nicht mit dem Joystick „herumfahren“ kann. Damit wäre es sehr einfach, die Schärfe von Bildvorder- und Hintergrund zu prüfen. So muss man immer aus der Vergrößerung raus, mit dem Joystick das Fokusfeld verschieben und wieder vergrößern. Update: Das ging schon immer… ;-)
  5. Bei Langzeitbelichtungen wird die bereits verstrichene Belichtungszeit im LCD angezeigt. Das ist toll! Bei aktivierter Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung könnte darüber hinaus auch die Zeit angezeigt werden, die für die Rauschunterdrückung bereits verstrichen ist.
  6. Der interne Timer könnte neben der Intervallfunktion auch eine Langzeitbelichtungsfunktion von mehr als 30 Sekunden bieten. Damit könnte man sich den externen programmierbaren Timer endgültig sparen. Update: Erledigt mit Firmware Version 2.00

Das sind nach meiner Meinung alles Punkte, die per Software zu erledigen wären. Ich bin guter Hoffnung, dass Fuji den einen oder anderen „meiner Wünsche“ mit zukünftigen Firmwareupdates umsetzen wird. Update: Bin gespannt, ob meine restlichen Wünsche auch noch erhört werden…

Systemwechsel Fuji X-T2

Fuji, hörst Du uns?

Das war mein Bericht über meinen Umstieg von Nikon zu Fuji. Ich weiß, dass sich im Moment viele Fotografen mit der Frage des Umstiegs beschäftigen. Wie geht es Dir? Planst Du auch den Umstieg von DSLR nach DSLM? Wann ja warum? Und natürlich interessiert es mich auch, warum Du ggf. keinesfalls auf eine DSLM umsteigen wirst.

Ich freue mich auf die Diskussion!

PS: Meine Nikon D810 und das AF-S Nikkor 14-24/2.8 habe ich noch – vorsichtshalber. Update: Sind schon lange verkauft… ;-)

Weiterführende Links

Folgende Links führen zu weiteren Informationsquellen im Internet, die mir bei meiner Entscheidung geholfen haben: