Bild des Monats Februar 2020: Meaningless

Das Bild des Monats Februar trägt einen seltsamen Titel: Meaningless. Bevor ich dazu etwas schreibe, sehen wir uns zunächst die Entstehung dieses Bildes an.

Vom 28.01. – 08.02.2020 war ich wieder in Nord-Norwegen unterwegs. Gemeinsam mit vier Fotofreunden habe ich viele Locations in der Gegend um Tromsö und auf der Insel Senja besucht. Teils waren es Locations, „die immer gehen“, teils waren es Orte, mit denen wir aus unserem letzten Aufenthalt im Jahr davor noch eine Rechnung offen hatten und teils sind wir auch an neue Spots gefahren.

Wildes Wetter in Norwegen

Das Wetter war diesmal sehr anspruchsvoll. Nachdem wir 2019 allerbeste Bedingungen hatten mit schön gefärbtem Himmel tagsüber und wahren Aurora-Explosionen nachts, war es diesmal fast durchgehend dicht bewölkt mit Schneefall und teilweise heftigem Sturm. Nur an zwei Abenden zeigte sich das Nordlicht. So waren wir zwar an denselben Orten, diese zeigten sich aber im wahrsten Sinn des Wortes in einem ganz anderen Licht.

Das Bild zeigt im Hintergrund eine schneebedeckte Bergkulisse, im Mittelgrund einen Fjord und im Vordergrund die Mündung eines Baches. Im Wasser des Baches liegt ein rostiges, völlig zerbeultes und demoliertes Fass. Dieses Fass ist der einzige rote Farbklecks im Bild. Der Rest des Bildes ist bedingt durch den bedeckten Himmel eher dezent gefärbt. Die Steine an der Bachmündung scheinen leicht grünlich. Der Gesamtcharakter des Bildes erscheint als kühles Türkis. Die Langzeitbelichtung von 90 Sekunden beruhigt das Bild, indem die Strukturen der ziehenden Wolken, des Wassers im Fjord und des schnell fließenden Baches geglättet wurden.

Die weiteren technischen Daten des Bildes sind unspektakulär:

  • Kamera: Nikon Z7
  • Objektiv: Nikkor Z 14-30/4 S @ 19mm
  • Stativ
  • Belichtungszeit: 90 Sekunden
  • Blende: 16
  • ISO 160
  • Haida Red Diamond Drop In CPL+ND 0.9
  • Haida Red Diamond GND 0.6 soft

Den Kamerastandort habe ich mit Absicht nicht zu tief gewählt. Hätte ich das getan, wäre zwar das rostige Fass prominenter in Erscheinung getreten, allerdings wären die mächtigen Berge im Hintergrund zu Statisten degradiert worden. Genau das wollte ich vermeiden. Und damit kommen wir zur Bedeutung des Bildtitels „Meaningless“.

Tiefgründiges…

Seit einiger Zeit liebe ich ruhige Motive, die die Macht und Kraft der Natur zeigen. Diese ist so groß, schön und gleichzeitig kalt und gefühllos. Es ist ihr egal, ob wir sie anhimmeln, ob wir in ihr herumturnen und unsere Bilder machen. Sie dreht einfach ihr Ding und kümmert sich nicht um das Vergängliche.

Diese Gedanken begleiten mich schon seit längerem auf meinen Fotoreisen. Zunächst nur als ein vages Gefühl, das ich nicht so richtig fassen konnte. Aber ich habe mir vorgenommen, diese Gedanken festzuhalten, sie zu erforschen und zu versuchen, sie in Bilder zu fassen. Da kam es ganz gelegen, dass das Wetter diesmal oft eine Monotonie und auch Monochromie vorgab.

Ich saß also am Wasser und habe mir das Fass angesehen. Woher kam es? Wurde es angespült? Hatte es ein verantwortungsloser Schmutzfink dort hingeworfen? Der Verdacht lag nahe, da sich oberhalb der Bachmündung eine alte Industriehalle befand, die etwa im gleichen Zustand war wie das Fass.

Dieses menschengemachte Fass wird irgendwann nicht mehr existieren, weil es sich durch die Verwitterung komplett in Eisenoxid verwandelt und in den Fjord gespült worden sein wird. Der Fjord, der Bach, die grünen Steine und vor allem die Berge im Hintergrund werden dann aber immer noch da sein. Und sie waren auch schon da, lange, bevor das Fass existierte.

Für uns Menschen erstreckt sich das Vergehen des Fasses über einen langen Zeitraum, für die Natur ist es nur ein Wimpernschlag – nicht wirklich erwähnenswert.

Und nun komme ich endlich zum Punkt: Wenn ich mich in dieser großartigen Natur aufhalte und solchen Gedanken nachhänge, wirkt das auf mich wie ein Reset. Die eigene, verschwindend geringe Bedeutung mir einem angesichts dieser Natur bildhaft vor Augen geführt. Meaningless eben…

Ich muss sich nur darauf einlassen und mir die nötige Zeit dafür nehmen.

Neue Motive – bekannte Motive

Nun zu einem weiteren Aspekt: Wir kennen alle die bekannten Bilder von großartigen Motiven aus großartigen Gegenden. Dieses Bild zeigt kein bekanntes Motiv. Wir haben es gefunden, als wir auf dem Weg von Tromsö nach Senja waren. Das Motiv hat uns nicht angesprungen, sondern wir mussten es uns erarbeiten. Dazu gehörte es für mich, erstmal allein eine Zeitlang am Ufer des Fjords entlangzulaufen und die Gegend auf mich wirken zulassen. Noch nicht angetrieben vom Zwang, unbedingt ein gutes Bild machen zu wollen. Irgendwann kam ich dann an die Stelle, an der mein Fotofreund Reinold Gober bereits zugange war. Ohne uns gegenseitig zu behindern haben wir an der gleichen Stelle völlig unterschiedliche Bilder gemacht.

Diese Vorgehensweise finde ich persönlich sehr befriedigend, weil ich dabei das Gefühl habe, etwas Neues entdeckt zu haben. Natürlich ist es auch schön, die ikonischen „Must-have“-Locations zu besuchen. Aber neue, unbekannte Motive geben einer Fotoreise einfach die besondere Würze und hinterlassen in mir das Gefühl, etwas Neues geschaffen und nicht nur etwas Bekanntes nachgebaut zu haben. Diesem Aspekt möchte ich in Zukunft stärker nachgehen. Mal sehen, wohin mich das führt.

Weitere Bilder aus dem Norden Norwegens findet Ihr in meinem Portfolio.

Gefällt Euch das Bild? Teilt Ihr meine Punkte oder habt Ihr eine andere Meinung? Ich freue mich auf Eure Kommentare. 🙂

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