Bild des Monats: Kölner Dom und Hohenzollernbrücke

Bild des Monats: Kölner Dom und Hohenzollernbrücke

Bild des Monats Oktober 2018: Kölner Dom und Hohenzollernbrücke

Das Bild des Monats Oktober ist ein Klassiker, den man schon oft gesehen hat: Kölner Dom und Hohenzollernbrücke. Eigentlich – aber doch nicht ganz… denn an diesem Abend war der Dom wegen einer Lichtinstallation auf seiner südlichen Fassade nur sehr sparsam beleuchtet. Dadurch entsteht für mich der besondere Reiz des Bildes: Der Dom ist beleuchtet, aber eben nur sehr schwach. So steht er nicht wie ein schwarzer Berg im Bild, sondern schimmert leicht und die unzähligen Details des Bauwerks kann man mehr erahnen als sehen. Das läßt den Dom sehr geheimnisvoll aussehen.

Sehr prominent wirkt nun aber die Hohenzollernbrücke. Normalerweise dient sie trotz ihrer Mächtigkeit und bunten Beleuchtung nur dazu, den Blick auf den Dom zu lenken, der immer das Hauptsubjekt darstellt. In diesem Bild kehren sich die Rollen um: Die Brücke steht im Mittelpunkt und der Dom schließt das Bild nach hinten ab.

Die technischen Daten der Aufnahme:

  • Kamera: Fuji X-T3
  • Objektiv: Fuji XF 16-55/2.8@38mm
  • Stativ, Fernauslöser
  • Belichtungszeit: 60 Sekunden
  • Blende: 11
  • ISO 160

Bildbearbeitung

Die Bildbearbeitung erfolgt diesmal ausschließlich in Lightroom. Allerdings musste ich das Bild vorher mit dem Iridient X-Transformer ins DNG-Format umwandeln, da Lightroom in der aktuellen Version die RAW-Dateien der brandneuen Fuji X-T3 noch nicht lesen kann.

Zur DNG-Umwandlung gibt es nichts besonders zu berichten, da ich den X-Transformer mit den Standardeinstellungen benutze.

In Lightroom habe ich – wie meistens – erstmal geschaut, was mir die automatische Tonwertkorrektur (Button „Autom.“ im Entwicklungs-Modul) vorschlägt. Mit dem Ergebnis war ich schon sehr zufrieden, habe die Parameter aber noch verfeinert und insbesondere durch eine Erhöhung von Klarheit und Dynamik ein wenig mehr Schwung ins Bild gebracht.

Auf eine Schärfung und Rauschreduzierung habe ich verzichtet, weil ich mit dem Ergebnis bereits sehr zufrieden war.

Am Ende habe ich das Bild noch am linken und unteren Rand leicht beschnitten, um die Größe der leeren Wasserfläche im linken Vordergrund etwas zu reduzieren.

Gefällt Euch das Bild „Kölner Dom und Hohenzollernbrücke“? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Bild des Monats: Dockland

Bild des Monats: Dockland

Neue Rubrik „Bild des Monats“

Auf meiner Website gibt es nun die neue Rubrik „Bild des Monats“. Jeden Monat werde ich ein Bild veröffentlichen und einiges zu seiner Entstehung schreiben: Wann, wo und warum wurde es aufgenommen, was ist das Besondere am Motiv? Wie bin ich an die Komposition herangegangen und was ging mir dabei durch den Kopf? Fehlen dürfen natürlich nicht Hinweise zur Bildbearbeitung.

Mit dem „Bild des Monats“ möchte ich meine Herangehensweise an die Landschaftsfotografie und den Umgang mit manueller Belichtung und mit Filtern zugänglich machen.

Und natürlich freue ich mich auf Fragen und Kritik!

Dockland

Fangen wir also an! Das Bild des Monats September heißt „Dockland“ nach dem gleichnamigen Ort im Hamburger Hafen. Dockland ist ein modernes, verglastes Bürogebäude in der Form eines Schiffes. Es ist von aussen frei zugänglich. Von oben hat man einen wunderbaren Ausblick über den Hafen, die Elbe und die Hamburger Skyline. An lauen Sommerabenden ist das „Oberdeck“ stark frequentiert von Touristen, Selfie-Fotografen und vielen Leuten, die einfach nur die schöne Aussicht genießen möchten.

Zusammen mit Silvia Grimpe von Silly Photography war ich an einem schönen Abend im August 2018 in Hamburg unterwegs und sie zeigte mir den besten Blick auf dieses Motiv. Vielen Dank dafür! :-)

Komposition

Das Gebäude ist entlang der Elbe genau in West-Ost-Richtung ausgerichtet. Die Sonne ging an diesem Spätsommerabend bereits deutlich im Nordwesten unter. Also beschlossen wir, die Sonne in Form ihres Spiegelbildes an der Gebäudefassade mit ins Bild zu nehmen. Das Wasser war leider ein wenig unruhig, aber ich hoffte, durch die Verwendung eines ND-Filters ein wenig Ruhe ins Bild und in die Wasseroberfläche zu bekommen.

Schön an diesem Tag war, dass die Federwolken zwar langsam aber doch in die richtige Richtung zogen. Die Spitze des vom Gebäude gebildeten Parallelogramms zeigte in die Zugrichtung der Wolken und in Richtung des Sonnenuntergangs, was die Komposition sehr stimmig machte. Der ND-Filter verwischte zudem die Wolkenbewegung ein wenig.

Bei der Aufnahme verwendete ich zudem einen GND-Filter, der etwa 45 Grad nach rechts gekippt war, um den doch noch sehr hellen Bereich des Sonnenuntergangs abzudunkeln. Ohne Filter wäre der Motivkontrast viel zu hoch gewesen.

Hier nun die technischen Daten der Aufnahme:

  • Kamera: Fuji X-T2
  • Objektiv: Fuji XF 10-24/4
  • Stativ, Fernauslöser
  • Haida ND 3.0
  • Lee GND 0.9 soft
  • Belichtungszeit: 60 Sekunden
  • Blende: 16
  • ISO 200

Bildbearbeitung

Bekanntlich bearbeite ich meine Bilder (fast) ausschließlich in Adobe Lightroom. Manchmal, so auch bei diesem Bild, kommen auch noch die Nik-Filter zum Einsatz. Doch dazu später mehr.

Unten nun das Bild, wie es aus der Kamera kam, ohne jegliche Bearbeitung sowie daneben das Histogramm.

Man sieht, dass die Komposition zwar stimmig ist, aber man erkennt auch folgende Mängel:

  1. Leichte Unterbelichtung: Die 60 Sekunden Belichtungszeit waren zu wenig. Aber da die Lichter bei der Fuji sehr schnell ausfressen, belichte in der Regel zwar nach rechts (ETTR), aber eher defensiv. Denn ausgefressene Lichter kann man in der Bearbeitung nicht retten, wohl aber lassen sich leicht zu dunkle Tiefen sehr gut aufhellen.
  2. Farbstich: Der automatische Weißabgleich hat die Farbstimmung sehr ins orange, fast bräunliche verschoben.
  3. Kontrast: Das Bild möchte ich als insgesamt flau bezeichnen, was mir ebenfalls nicht gefällt.
  4. Im Vordergrund trieb ein Stück Holz im Wasser. Durch die Langzeitbelichtung verschwamm es zu einem dunklen Fleck und im Himmel hinterliess ein Vogel eine verwischte Spur. Diese Artefakte wollte ich im finalen Bild nicht haben.

Aber ich wusste ja, wie es dort zum Zeitpunkt der Aufnahme aussah und wie ich mich gefühlt habe. Genau diese Stimmung habe ich durch die Bildbearbeitung wieder hergestellt.

Zunächst habe ich in Lightroom die automatische Tonwertkorrektur angewandt. Damit starte ich eigentlich bei den meisten Bildern. Danach tastete ich mich an meinem gewünschten Bildeindruck heran. Ich habe hier keine feste Vorgehensweise. Normalerweise arbeite ich die Regler des Entwickeln-Moduls von Lightroom oben nach unten durch. Einzig mit dem Regler „Dunst entfernen“ bin ich immer etwas sparsam, weil der Effekt schnell ziemlich heftig wirkt.

Danach entfernte ich mit dem Stempelwerkzeug die unerwünschten Artefakte im Bild.

Um dem Bild noch ein wenig mehr „Wumms“ zu geben, bearbeitete ich es anschließend im „Brilliance/Warmth“-Filter von Nik, wo ich im Wesentlichen den Farbstich entfernte und den dynamischen Kontrast (mit den gleichnamigen Reglern) erhöhte. Abschließend entrauschte ich das Bild in Nik Dfine. Fertig.

Habt Ihr weitergehende Fragen zur Bildbearbeitung? Ich freue mich auf Eure Nachrichten!

 

Weiterführende Links

Auch der Zufall hat seine Berechtigung

Auch der Zufall hat seine Berechtigung

Können durch Zufall gute Bilder entstehen? Welchen Raum dürfen wir dem Zufall überhaupt geben?

Das sind interessante Fragen, die mich schon seit einiger Zeit beschäftigen. In diesem Artikel möchte ich darauf eingehen, meine Sicht der Dinge darstellen und zu einer Diskussion anregen.

Wie geht Landschaftsfotografie?

Wenn Landschaftsfotografen unter sich sind, ist oft von Planung und guter Vorbereitung die Rede. Das Wetter ist wichtig, die Wolken, die Gezeiten. Makrofotografen und Wetterfotografen interessieren sich auch für den Wind, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit. Wo stehen die Sterne, wo der Mond?

Das alles sind Fragen, die zweifellos wichtig sind für die Vorbereitung guter Landschaftsbilder. Neben der eigenen Erfahrung und dem Austausch mit Gleichgesinnten gibt es viele Internet-Ressourcen und Apps, die für die Planung herangezogen werden können.

Und wenn dann alles passt und alle Vorhersagen hoffentlich auch eingetreten sind, steht man an einer traumhaften Location hinter dem Stativ, drückt genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Auslöser und macht das perfekte Bild – oder auch nicht.

Nicht? Aber wir haben uns doch so gut vorbereitet…

Ganz einfach: Weil das Leben und damit auch die Fotografie komplex sind und zu einem guten Bild eben mehr gehört als nur das Berücksichtigen von vorher gemessenen physikalischen Größen.

Entstehen gute Bilder nur mit viel Planung?

Eine angemessene Planung ist eine wichtige, aber keinesfalls die einzige Zutat, aus denen unser Gericht besteht. Und sogar wenn wir diese Zutat weglassen, kann das Ergebnis sehr schmackhaft sein.

Das Titelbild ist ein Beispiel dafür, dass auch der Zufall schöne Ergebnisse hervorbringen kann.

Das Bild ist eines Morgens im Mai 2018 entstanden, kurz bevor ich zur Arbeit aufbrechen wollte. Mit der Kaffeetasse in der Hand stand ich in meinem Wohnzimmer und sah, wie sich die aufgehende Sonne ihren Weg durch den Nebel bahnte, der über den Rheinwiesen wallte.

Eigentlich hatte ich gar keine Zeit, aber das Motiv war so schön und auch flüchtig, dass ich schnell das Telezoom auf die Kamera schraubte und vom Balkon aus eine Reihe von Bildern machte. Dabei konnte ich natürlich meinen Standort nicht groß variieren, das Stativ lag im Kofferraum meines Autos und an Filter dachte ich in diesem Augenblick auch nicht. Nur eben ein paar Bilder im Hoch- und im Querformat…

In der Bildbearbeitung musste ich das Bild croppen, da es mir ein wenig an Brennweite fehlte. Die anschließende Bearbeitung in Adobe Lightroom hielt sich mit einer Erhöhung der Klarheit (+40), der Dynamik (+20), der Belichtung (+0,50) sowie dem Entrauschen in Nik DFine in Grenzen. Herausgekommen ist ein stimmungsvolles Bild, dass sich sehen lassen kann.

Den Zufall planen?

„Schmeiß‘ den Plan weg und überlasse alles dem Zufall!“ wäre sicher die falsche Botschaft für Landschaftsfotografen. Denn durch gute Planung entstehen gute Bilder, auch bei mir. Aber es können auch ohne Planung gute Bilder entstehen.

Und bitte nicht falsch verstehen – und jetzt werde ich spitzfindig: Die Aussage ist nicht, dass Planlosigkeit gute Bilder hervorbringt! Denn „Planlosigkeit“ ist nicht das Gegenteil von „ohne Planung“.

„Ohne Planung“ gute Bilder machen können ist die Fähigkeit, eine unvorhergesehene Situation als gute Gelegenheit für ein Bild überhaupt zu erkennen, sich darauf einzulassen und dann intuitiv ein gutes Bild entstehen zu lassen.

Drei Schlüsselfähigkeiten

Diese Fähigkeit kann man sich aneignen. Sie besteht aus „Sehen“, „Wollen“ und „Beherrschen der Ausrüstung“. Das „Sehen“ setze ich mit Kreativität gleich. Diese kann man üben, es gibt viele Kreativitätstechniken (was für ein Wort!), wie z.B. die Verwendung der „Bigger Picture Cards“ oder der Karten von Inspiracles.

Das wichtigste ist aber, zu fotografieren. Ja, genau! Fotografieren, insbesondere das Sehen, lernt man durchs Fotografieren und durch das Betrachten, Auswerten und Besprechen seiner eigenen und der Bilder anderer Fotografen.

Das „Wollen“: Natürlich braucht es den Willen oder die Lust, Bilder zu machen. Die Freude an schönen Bildern und nicht die Technikverliebtheit ist eine weitere wesentliche Grundvoraussetzung. Als ich von meinem Wohnzimmer aus den Sonnenaufgang gesehen habe, hätte ich mir auch denken können „Och nö, das lohnt sich nicht. Ich hab ja kein Stativ zu Hand und ich muss gleich zur Arbeit und vom Balkon aus fotografieren geht gar nicht…. Mimimi…“ Dann wäre mir ein schönes Bild entgangen. Aber ich WOLLTE das Bild!

Woher bekommt man den Willen? So genau weiß ich das auch nicht, aber ich glaube, dass Erfolgserlebnisse diesen Willen nähren. Je mehr Bilder ich mache, mit denen ich zufrieden bin, desto mehr neue Bilder will ich machen.

Und zu guter Letzt ist es wichtig, seine Ausrüstung zu kennen und blind zu beherrschen. Dazu habe ich vor einiger Zeit einen Artikel geschrieben, der unten verlinkt ist.

Fazit

Schließen möchte ich diesen Artikel mit einem Zitat aus dem Buch „Antifragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen“ von Nassim Nicholas Taleb: „Wir sind im Großen und Ganzen besser, wenn wir handeln, als wenn wir denken […]“.

Gehen wir ein bisschen weniger verkopft an die Landschaftsfotografie heran. Denn es ist schade, wenn durch zu viel Nachdenken haufenweise gute Gelegenheiten ungenutzt an einem vorbeiziehen.

Weiterführende Links

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Sonnenaufgang an der Bopparder Rheinschleife

Sonnenaufgang an der Bopparder Rheinschleife

Guten Morgen!

Schon länger hatte ich vor, den Sonnenaufgang an der Bopparder Rheinschleife zu fotografieren. Am letzten Wochenende war es dann so weit. Die Wetterbedingungen waren günstig und gemeinsam mit zwei Fotokollegen bin ich nach Boppard aufgebrochen.

Die Sonne sollte um 06.24 Uhr aufgehen, doch richtig interessant ist oft die Zeit vor Sonnenaufgang. Also waren wir bereits um kurz nach 05.00 Uhr vor Ort. Zuvor hatten wir uns die Nacht an der Burg Eltz um die Ohren gehauen, aber das ist eine andere Geschichte ;-)

Es war noch dunkel, als wir das Restaurant Gedeonseck erreichten, von dem aus man den sagenhaften Ausblick hat. Der Biergarten ist übrigens echt klasse, war aber leider um diese Zeit noch geschlossen.

Zur besseren Nachvollziehbarkeit der Bildentstehung habe ich die Bildbearbeitung ein wenig genauer beschrieben.

 

Das Fotomotiv und Aufnahmetechnik

Die Rheinschleife bei Boppard ist die größte Schleife des Rheins. Sie wird Bopparder Hamm genannt und nach ihr ist auch die relativ bekannte linksrheinische Weinlage benannt. Steht man oben am Rand des Biergartens, so hat man einen wunderbaren Blick über den Rhein und die rechtsrheinischen Orte Felsen und Osterspai und im rechten Bereich auf die Stadt Boppard. Der Blick geht nach Osten, also ist die Location mindestens eine hervorragende Sonnenaufgangslocation. Aber auch abends, besonders wenn der Herbst das Weinlaub bunt gefärbt hat, ist der Ort einen Ausflug wert.

Die Location schreit förmlich nach einem Panorama. Ein Blick auf die Karte verrät, dass diese einen Winkel von etwa 120 Grad umfassen sollte. Bei solchen Motiven bin ich dazu übergegangen, das Bild aus mehreren Einzelbildern zusammenzusetzen. Eine andere Variante ist ja die Verwendung eines Weitwinkelobjektivs mit entsprechend kurzer Brennweite. Mein Fuji XF10-24/4 deckt bei 10 Millimetern Brennweite einen Bildwinkel von gerade mal 110 Grad ab. Das wäre schon eng geworden. Zudem hätte ich am oberen und unteren Rand des Bildes einiges abschneiden müssen, um auf das „panoramagerechte“ Format von 2:1 zu kommen. Dabei hätte ich zu viel an Bildauflösung verloren.

Das Bild entstand dann gegen 06.20 Uhr kurz vor Sonnenaufgang. Ich machte mit Unterstützung meines Panoramakopfes insgesamt neun Aufnahmen mit folgenden Einstellungen:

  • Brennweite 16 mm
  • Blende 5.6
  • Belichtungszeit 0,4 Sekunden
  • ISO 200

Vorne am Objektiv reduzierte ein Reverse GND 0.6 Filter die hellen Bereiche links über dem Horizont ein wenig und sorge für eine ausgewogene Belichtung der Einzelbilder.

Für die Panoramaprofis unter den Lesern meines Blogs: Mein Panoramakopf ist selbstgebaut aus Novoflex-Teilen, die ich nicht mehr benötige, aber auch nicht hergeben mag:

  • Kameraplatte QPL1
  • Panoramaplatte PANORAMA=Q
  • Kameraplatte QPL4
  • Schnellwechselplatte Q=MOUNT

Diese Konstruktion reicht für meine Zwecke vollkommen aus.

Bildbearbeitung

Die Einzelbilder habe ich in Lightroom zunächst einmal auf dieselbe Farbtemperatur von 5600 Kelvin gebracht, weil ich bei der Aufnahme vergessen hatte, von Automatischem Weißabgleich auf eine feste Farbtemperatur umzustellen. Aber bei RAW-Bildern ist so eine Korrektur ja zum Glück hinterher noch problem- und verlustlos möglich.

Danach hat Lightroom für mich die Bilder zu einem zylindrischen Panorama zusammengerechnet.

Die nächsten Schritte waren:

  1. Entfernen eines Kondensstreifens im linken oberen Bereich des Bildes mit dem Bereichsreparaturwerkzeug
  2. Anpassen der Grundeinstellungen des Bildes
  3. Betonung des Himmels und der Wolken mit dem Verlaufsfilter
  4. Beschneiden auf das Endformat von 2:1

Die Grundeinstellungen des Bildes passte ich in Lightroom wie folgt an:

  • Farbtemperatur 9600 Kelvin
  • Tönung +15 (Richtung Violett)
  • Belichtung -0,5
  • Lichter +4
  • Tiefen +20
  • Weiß +10
  • Schwarz 0
  • Klarheit +20
  • Dunst entfernen +15
  • Dynamik +23
  • Sättigung +9

Zusätzlich legte ich zur weiteren Anhebung des Kontrastes eine leichte S-förmige Gradationskurve auf das Bild.

Der Himmel gefiel mir schon sehr gut, doch ich wollte die Wolken noch stärker betonen. Dazu legte ich einen Verlaufsfilter in den Himmel der am Horizont mit einem relativ harten Übergang Ende und stellte darin folgende Werte ein:

  • Temperatur -34
  • Belichtung +0,5
  • Klarheit +30
  • Dunst entfernen +11

Das Bild ist weder geschärft noch entrauscht.

Fazit

Hier ist mit wenig Aufwand ein sehr schönes Landschaftspanorama vom Sonnenaufgang an der Bopparder Rheinschleife entstanden. Die vor Ort vorherrschende Stimmung konnte ich einfangen und durch die Bildbearbeitung noch besser herausarbeiten, ohne gleich einen Farbeimer über dem Bild auszukippen.

Das Endergebnis hat eine Auflösung von etwa 53 Megapixeln und ist damit auch für sehr große Ausdrucke geeignet. Es macht Spaß, hineinzuzoomen und sich die vielen Details anzusehen. Mit einem Einzelbild wäre das nur mit einer Kamera mit einem wesentlich hochauflösenderen Sensor möglich gewesen.

Ach ja: Strenggenommen müsste der Artikel heißen „Kurz vor Sonnenaufgang an der Bopparder Rheinschleife“ :-)

 

Weiterführende Links

Rodder Maar – auf Schatzsuche in der Lightroom Bibliothek

Rodder Maar – auf Schatzsuche in der Lightroom Bibliothek

Auf Schatzsuche in der Lightroom-Bibliothek!

Sicherlich hast auch Du einen erprobten Workflow, mit dessen Hilfe Du Deine Bilder von der Kamera importierst, sie sichtest, bewertest und bearbeitest. Durch die Bewertung (z.B. in Lightroom mit den Sternen) ziemlich am Anfang des Workflows und der anschließenden Bearbeitung nur der besten Bilder spart man viel Zeit und kommt so schnell dazu, die wirklich wertvollen Bilder eines Shootings zu extrahieren. So mache ich es auch. Und die „nicht so tollen“ Bilder schlummern dann auf unbestimmte Zeit auf der Festplatte des heimischen Rechners.

Es kann sich aber lohnen, nach einiger Zeit diesen Bodensatz nochmal zu durchforsten. Ich finde dann immer wieder Bilder, bei denen ich mich frage, wieso sie mir nicht bereits früher aufgefallen sind.

 

Am Rodder Maar

Vor ein paar Wochen war ich an einem trüben Sonntagnachmittag auf einen Spaziergang am Rodder Maar. Das Rodder Maar ist ein kleiner, fast kreisrunder See in der Nähe von Niederzissen am Ostrand der Eifel. Das Wetter war trüb, die Vegetation war noch im Winterurlaub und direkt ans Maar kommt man auf Grund der vielen Absperrzäune auch nicht mehr heran.

Trotzdem hatte ich die meine Fuji X-T2 mit dem XF16/1.4 dabei. Man weiß ja nie…

Auf dem Weg rund ums Maar kommt man an einem kleinen eingezäunten Tümpel vorbei. Ich habe ohne viel zu überlegen ein Bild gemacht, weil mir die Spiegelung der Bäume im Wasser sehr gut gefiel. Aber ehrlich gesagt, lange habe ich nicht gebraucht für das Bild. Filter? Stativ? Fehlanzeige!

Bildbearbeitung

Zu Hause ist das Bild dann natürlich prompt durchgefallen.

Aber vor ein paar Tagen habe ich es wiederentdeckt und angefangen, an den Lightroom-Reglern zu drehen. Ich hatte die Idee, eine düstere Hochmoorstimmung zu erzeugen.

Wie die Lightroom-Einstellungen zeigen, war gar nicht so viel machen, um den gewünschten Bildeindruck hervorzurufen. Auch wenn ich die Regler nie streng von oben nach unten in der von Adobe vorgegebenen Reihenfolge bediene, hier der Klarheit halber doch der Reihe nach:

  • Farbtemperatur ein wenig kühler
  • Belichtung um fast zwei Blendenstufen erhöht (warum, wird gleich klar)
  • Lichter runter
  • Tiefen hoch
  • Weiß und Schwarz jeweils leicht erhöht
  • Klarheit ein wenig erhöht

Mit dem Radialfilter (Weiche Kante 50, Häkchen gesetzt bei „Umkehren“) habe ich dann einige Bildelemente betont:

  • Die helle Partie im Himmel eine halb Blendenstufe abgedunkelt
  • Den Baum im Zentrum des Bildes, der sich im Wasser spiegelt, um eine knappe halbe Blendenstufe aufgehellt

Die Landschaft wurde mit dem Radialfilter, aber ohne „Umkehren“ gegenüber der Wasserfläche um eine Blende abgedunkelt, indem ich eine Ellipse mit diesen Filtereinstellungen auf die Wasserfläche legte.

Zu guter Letzt, um die Stimmung final einzutrüben, legte ich über das Panel „Effekte“ eine kräftige dunkle Vignette rund um das Bild.

Fertig.

Fazit

Zu diesem Bild habe ich bisher recht unterschiedliche Rückmeldungen bekommen. Von „Oh klasse… warst Du in Schottland“, über „Bah, das ist mir zu trist“ bis „Was soll das? Mit Bildbearbeitung hast Du aus einem schlechten Bild ein bearbeitetes schlechtes Bild gemacht“.

Die ersten beiden Kommentare entstanden einfach aus unterschiedlichen Geschmäckern der Betrachter und deren Assoziationen mit dem fertigen Bild.

Der dritte Kommentar ist wirklich interessant: Zum einen bin ich auch ein Verfechter der Position, ein Bild bereits in der Kamera so perfekt wie möglich zu gestalten. Das erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit dem Motiv und bereits vorher eine entsprechende Planung: Wetter, Sonnenstand, … wir kennen das…

Ein etwas unangenehmer Nebeneffekt dieser Vorgehensweise ist aber der Verlust der Spontaneität beim Fotografieren. Das stelle ich zumindest bei mir manchmal fest. Einfach so fotografieren? Aber ich habe ja weder Stativ noch Filter dabei. Das geht ja gar nicht.

Das ist für mich eine echte Beschränkung. Um diese aufzubrechen, ziehe ich oft auch ohne großen Plan los. Anfangs fühlt man sich   als gestandener Landschaftsfotograf ein wenig nackt, so ganz ohne Stativ… Aber das legt sich schnell, sobald sich ein Flow einstellt und ich beginne, Motive zu sehen.

Und genau so ist dieses Bild entstanden. Einfach so… ohne großen Plan…

Zieht Ihr auch manchmal ohne Plan los? Oder ist das für Euch ein No-Go? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare und Erfahrungen! :-)